
Proffessor
Henry Sidgwick
Die Society
sah ihre Aufgabe ursprünglich in der Trennung von echten und
vorgetäuschten Phänomenen. Sie sandte Fachleute zu Seancen,
öffentlichen Auftritten von Medien, Hellsehern und Wundertätern
aller Art. So mancher Scharlatan wurde trotz raffiniertester Tricks
und komplizierter
Ausrüstung von diesen Spezialisten entlarvt.
Der
Vereinigung waren die Probleme der Beweisführung bei so diffizilen
Phänomenen vertrauter als irgendjemandem sonst. Den Forschern
war es vollkommen klar, dass die Unterscheidung, ob eine "Botschaft
aus dem Jenseits" tatsächlich von dort kam oder auf telepathische
Fähigkeiten des Mediums zurückzuführen war, ungeheure
Schwierigkeiten aufwarf. Dies stellte den Wissenschaftlern eine
einzigartige Herausforderung dar, derer sie sich mit wissenschaftlicher
Sorgfalt und Methodik annehmen wollten. Die
Wissenschaftler arbeiteten einen Plan aus. Dieser war von extremer
Komplexität und ließ kein "irdischer" Hinweis
darauf entdecken. Es musste also im Jenseits ausgearbeitet worden
sein
Die
Botschaften
Die
folgenden Botschaften - insgesamt mehr als 3000 in über 30
Jahren - verteilten sich auf die unterschiedlichsten Medien in England
und eines in den USA. Das Geniale - und gleichzeitig Beweiskräftige
- an diesem System war, dass sich bei der Zusammensetzung der Teile
ein klares Bild ergab. Jeder Empfänger erhielt nur ein Bruchstück,
mit dem sich wenig anfangen ließ. Die einzelnen Themen waren
aus Spezialgebieten gewählt, auf denen die fünf verstorbenen
Gelehrten überragendes Detailwissen besessen hatten. Sie enthielten
Einzelheiten, die nachweisbar nur den Toten bekannt gewesen waren.Zu
einem Ganzen zusammengesetzt, konnten die Nachrichten fast mit Sicherheit
nur von den fünf toten "Absendern" stammen.
Auch
begann der Plan sich erst nach und nach herauszuschälen, von
Informationsteil zu Informationsteil jedoch immer schneller. Dazu
trugen die anfangs verwirrenden, mit wachsendem Verständnis
jedoch hilfreichen "Stolpersteine" bei, welche die fünf
in die einzelnen Fragmente eingebaut hatten. Manche Passagen waren
nämlich in Griechisch oder Latein oder enthielten hintergründige
Zitate, Inhalte, die den Empfängern der Botschaften aufgrund
ihres Bildungsstandes meist gar nicht bekannt sein konnten. Natürlich
gab es auch. So diktierte Myers der Witwe seines Mit-Verstorbenen
Verrall, Mrs. A. Verrall, folgende Anweisung: "Schreiben Sie
die Teile auf. Zusammengefügt werden sie ein Ganzes ergeben
"

Die
Wissenschafter Edmund Gurnery, Henry Butcher und Frederic Myers
Dieses
Ereignis ist unter dem Namen "Cross Correspondence" sowohl
in die Annalen der paranormalen Wissenschaft, als auch in die Geschichte
eingegangen. Trotz eingehender, immer wieder neu ansetzender Untersuchung
ist es nicht gelungen, dieses Phänomen als Selbsttäuschung
oder Betrug zu erklären. Man konnte es nur rekonstruieren.
Frederic
Myers war ein überzeugter Anhänger des Lebens nach dem
Tode gewesen und hatte seine Studien auf den Bereich des automatischen
Schreibens konzentriert. Als Ex-Präsident der "Society
for Psychical Research" war er wie kein zweiter über die
Schreibmedien, ihren Bildungsstand und andere Besonderheiten informiert.
Wie es scheint, war er die treibende Kraft der "Verabredung
im Jenseits" und der Mann, der den ersten Schritt tat. Auch
die Idee, durch extreme Verschlüsselung und Fragmentierung
von Informationen, die das Wissensniveau der Schreibmedien weit
überstiegen, wäre ihm durchaus zuzutrauen.
Die
mediale Durchgaben, hauptsächlich durch automatisches Schreiben
übermittelt, klangen für sich allein genommen fragmentarisch
und unverständlich. Wenn sie aber mit den medialen Durchgaben
anderer Automatistinnen verglichen wurden, zeigten sich merkwürdige
Übereinstimmungen und Ergänzungen. Texte enthüllten
ihre Bedeutungen erst, indem die Botschaften von unabhängig
arbeitenden Medien wie ein Puzzle zusammengesetzt wurden. In den
Botschaften fanden sich Rätsel, die mit Spezialthemen der Altertumswissenschaft
zu tun hatten und welche die Medien nicht kannten. Genaugenommen
verstanden sie nicht einmal den Sinn der hochkomplexen Fragmente.
Zu
den wichtigsten Automatistinnen, welche an den viele Jahre andauernden
Versuchen teilnahmen, zählten Edith Lyttelton, Elenore Piper,
Hellen Verrall und zwei unter den Pseudonymen Mrs. Holland (Alice
Kipling Fleming) und Mrs. Willet (Winifred Marget Coombe-Tennant)
bekannt gewordene Medien. Man vermutete, dass eine Intelligenz die
Botschaften an die verschiedenen Medien gleichzeitig verteilte,
um auf diese Weise einen Beweis seiner jenseitigen Existenz zu liefern.

Die
vier von fünf Medien: Elenore Piper, Hellen Verrall, Winifred
Willed und Alice Flemming
Ohne Vorwarnung entdeckte eine Dame der britischen Gesellschaft
1904, dass sie automatisch schreiben konnte und im Zustand dämmeriger
Entspannung eine Nachricht empfangen hatte. Der Absender war Frederic
Myers, Gründungsmitglied der "Society for Psychical Research",
gestorben 1901. Bei der Dame handelte es sich um das in Indien lebende
Schreibmedium Mrs. Alice Feming, besser bekannt als Mrs. Holland.
Sie erhielt folgende Botschaft von Myers:
"Wenn es möglich wäre, dass auch die Seele selbst
stürbe, so würde ich sterben vor unstillbarer Begierde,
euch zu erreichen und zu erzählen, dass alles, was wir uns
ausgemalt haben, nicht halb so wundervoll ist wie die Wahrheit
"
Zwei
Jahre später begann der konkrete Informationsfluss aus dem
Jenseits (nehmen wir dieses einmal als gegeben hin), dessen letzter,
vereinzelter Nachzügler 1972 registriert wurde. Es würde
zu weit führen, die komplexen Gedankengänge und verschlüsselten
Hinweise in den einzelnen Fragmenten aufzuzählen. Obwohl gerade
diese Komplexitäten sie von der Masse anderer Jenseitsbotschaften
deutlich unterscheidet. Eines lässt sich jedoch mit Sicherheit
feststellen und wird selbst von den größten Skeptikern
zugegeben: Wenn es sich bei diesem feinmaschigen Netz aus Informationsteilen,
das Kontinente und Dekaden umspannt, um ein Betrugsmanöver
handeln sollte, dann würde es die bombastische Bezeichnung
"Weltverschwörung" rechtfertigen. "Gewinn"
brächte diese Verschwörung allerdings niemanden.
Die
zwei berühmten Fälle von "Cross Correspondence"
Zwei
berühmte Fälle von "Cross Correspondences" sind
"Das Ohr des Dionysios" und
der "Hope, Star und Browning"-Fall.

Das Ohr des Dionysios, Syrakus, Sizilien
"Das
Ohr des Dionysios" ist eine Grotte bei Syrakus, welche die
Eigenschaft einer Flüstergalerie hatte. Dionysios, der Tyrann
von Syrakus, pflegte dort Gefangene einzusperren, um sie zu belauschen.
Verrall soll aus dem Jenseits ein rätselhaftes Gewebe von Fragmenten,
die sich auf diese Grotte bezogen, an verschiedene Medien verteilt
haben, in welchem zahlreiche altertumskundliche Fachbegriffe vorkamen.
Erst durch Zusammenführung der Mitteilungen, konnte ihr Sinn
erschlossen werden. Hintergrund war, dass sich Verrall zu Lebzeiten
einmal über seine Frau lustig gemacht hatte, weil sie diese
Geschichte nicht kannte.
Jenseitiger
Urheber des "Hope, Star und Browning"-Falls soll Myers
gewesen sein. In diesem Fall offenbarte seine Identität, weil
er zu Lebzeiten als großer Verehrer des Dichters Robert Browning
galt, indem er eigenartige Fragmente von Botschaften verteilte,
die sich auf die verschiedenen Gedichte von Browning (u. a. Vogler
und Der Rattenfänger von Hameln) bezogen. Die Medien lebten
an weit voneinander entfernten Orten, in England, USA und "Mrs.
Holland", die Schwester des Schriftstellers Rudyard Kipling,
sogar in Indien.
Aus
diesem Grund glaubten einige Forscher, eine "telepathische
Vernetzung" unter den Medien ausschließen zu können.
Indes scheinen einige der besonders schlagenden Fälle eher
für Telepathie, als für die Hypothese eines Jenseitskontaktes
zu sprechen.