Das Spukhaus-Protokoll
Aktuelles
von Volker Anding

Das Spukhaus von Stans


(Stand: Februar 2006)

Am 28.06.2003 war meine Premiere in Stans (nähe Luzern), das ist der Ort, wo das Spukhaus steht. Es lag also nahe, die Premiere vor Ort zu machen. Das Spukhaus ist zu klein, deshalb fand alles im Kollegium Sankt Fidelis in der Aula statt. 2 Vorführungen a 250 Leute. Ein brüllend heißer Tag.

Was die Sache für mich surreal auflud, war der Umstand, dass fast alle, die im Film vorkommen, plötzlich im Zuschauerraum saßen. In der ersten Vorstellung hatte ich den Schluss des Films von der Leinwand abgefilmt. Vorsichtshalber, falls es doch zu einem 2. Teil kommen sollte - zur endgültigen Lösung des Rätsels!

Plötzlich geht das Licht an, die Leute klatschen und ich stehe auf mit der Kamera in der Hand. Ich höre mich sagen: "Ich drehe schon an dem 2. Teil" (Film im Film im Film...)

Frage aus dem Publikum: "Haben sie denn in der Zwischenzeit die Geheimschrift bekommen?"
Ich verneine und weise darauf hin, dass am Abend die Familie Joller aus Rom hier sitzen und ebenfalls den Film anschauen wird. "Haben die denn die Schrift dabei?" - "Ich weiß es nicht", ist meine ehrliche Antwort. Es ist 21.30 Uhr, die 2.Vorführung ist zu Ende.

Die Familie Joller sitzt in der 3.Reihe. Gerade noch auf der Leinwand, jetzt im Zuschauerraum.
Man diskutierte heftig über den Film. War es Spuk? War es eine Verschwörung? Im so genannten "Höfli" unter Linden saßen dann später alle Mitwirkenden zusammen. Nein, die Jollers hatten die Geheimschrift nicht dabei. Noch nicht!

Am nächsten Tag hatte ich einen Besuch im Spukhaus organisiert. Die Familie Joller im Hause des Urgroßvaters. Kein Fenster schlug zu, nichts polterte zur Begrüßung. Leider, denn Johannes, der Kameramann drehte eine Kassette nach der anderen. Für die Familie war es jedenfalls ein großer Tag. Emanuele (Student der Mathematik) war ganz bewegt. Er kannte das Haus seit seiner frühesten Kindheit - als ein kleines Aquarell an der Wand.

Am Montag danach hatte das Staatsarchiv die Jollers dort hin eingeladen. Dort im Staatsarchiv erzählte mir eine Historikerin etwas, was mir Mut machte. Sie kenne es sehr gut mit den Privatarchiven. Es läuft fast immer gleich ab. Erst sträubt sich die Familie und hat Angst etwas zu entblößen. Dann zeigt sie ihnen das Archiv und wie sorgfältig man dort mit all den anderen Privat-Archiven umgeht - säurefreie Kartons etc. - und dann, nach einer Weile Bedenkzeit, geben sie es heraus.

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Mai 2004

Reise nach Freiburg und Stans. "Das Spukhaus" steht noch! Von Martin von Matt (200 jährige Buchhandlungs-Dynastie) erfuhr ich den neuesten Stand: Der Investor hat ein Bauvorhaben für 150 Büros bei der Stadt Stans vorgelegt. Dies hat man erbost zurückgewiesen, da es auch in Stans viel Leerstand gibt. Die Sache ist also erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben. Falls es irgendwann einmal abgerissen werden sollte, wird man mich informieren und ich werde dabei sein. Wie reißt man in der Schweiz Holzhäuser ab? Mann fackelt sie ab, als Feuerwehrübung.

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Im März 2004

bekam ich eine Todesanzeige aus der Schweiz - Herr H., unser Verschwörungstheoretiker, ist tot.
Von ihm wusste ich, dass er sterbenskrank war. Ich mochte ihn sehr gerne. Er war so ein Louis Trenker-Typ und ist allein auf das Matterhorn geklettert!

Er hat über seinen Sohn, ein Anwalt, noch viele interessante Dokumente ans Licht gebracht.
Es zeigt sich, dass es Melchior Joller wirklich an den Kragen ging. Es gab Gerichtstermine wegen nicht zurückbezahlter Schulden. Das Staatsarchiv hat bei Frau H. angefragt, ob sie sein Archiv bekomme.

Es sieht sehr gut aus. Also, noch etwas in Geduld üben! (Fällt mir schwer) Wie geht es weiter?
Mein Gefühl sagt mir, dass ich mich auf einen längeren Zeitraum einrichten muss.
Was dann? Wie geht es dann weiter? Wie im Film. Dort sagt der Ich-Erzähler:
"Familiengeheimnisse brauchen Zeit, und ich brauche Geduld. Rätsel ziehen mich immer schon magisch an und - lassen mich nicht mehr los..."

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Was steht in der geheimen Schrift?

a) Am wahrscheinlichsten ist die "spiritistische Hypothese": Seine Großmutter ist ihm in jener Nacht erschienen. Solch eine Schrift kann man getrost im Familienarchiv aufbewahren.

b) Am zweit-wahrscheinlichsten ist, dass er das Spuk-Modell von Lucadou erfahren hat: Der Spukagent war er selbst (oder seine Frau?), der Spuk hatte was mit verborgenen Familienkrisen zu tun.

c) Die These, dass in der Schrift vom misslungenen Komplott mit den Ultras die Rede ist, finde ich unwahrscheinlich. Er war unter Schock nach dieser Nacht. Er war weißhaarig geworden. Wenn er Verfehlungen hätte beichten wollen, dann hätte er es ja mündlich tun können. Sie zu veröffentlichen nach all dem, macht keinen Sinn.

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6. Dezember 2004

Zeitungsausschnitt von Dreharbeiten vor dem "Spukhaus in Stans". Es war für eine Reihe im DRS -Fernsehen über Geister und Spuk. Neben dem Foto sah man ein S/W-Foto von dem mittlerweile berühmten Arnold Odermatt - der Polizist mit den seltsam poetischen Unfall-Fotos!
Im rechten oberen Drittel sieht man etwas Merkwürdiges über dem Haus schweben. Es sieht aus wie ein Rollschuh. Arnold Odermatt hat das Dia(!) im Labor untersuchen lassen. Niemand fand bisher eine plausible Erklärung dafür.

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2.September 2005

Lukas Vogel, vom Kulturamt in Stans/Luzern, hatte mich eingeladen. Wie jedes Jahr kommen die Kultur-Vertreter der Inner-Schweiz zusammen. Ein Ort richtet das Treffen mit Programm aus.

Lukas Vogels Idee war, das "Spukhaus-Projekt" vorzustellen. Dafür hatte ich eine 25-Minuten-Fassung geschnitten. Es waren ca. 25 Leute im Winkelried-Haus. Der Film kam gut an und noch beim Essen danach wurde heftig diskutiert. Ich traf B. Sie will im Herbst in ihrem eigenen Verlag (Edition B.) das Joller-Tagebuch neu herausbringen: "Selbsterlebte mystische Erscheinungen"

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Im Juni 2006

Ich werde in der Kunsthalle-Düsseldorf an einer Gruppenausstellung teilnehmen. (www.kunsthalle-duesseldorf.de) Dort plane ich, von der Dachkammer aus dem Joller Haus inspiriert, eine begehbare Skulptur zu zeigen. Im Inneren erfährt man dann, wie an einem Tatort, von dem berühmten Spuk in der (siehe auch "Das Spukhaus von Stans") Speichermatt zu Stans.
Die Installation werde ich mit unterschiedlichsten Medien ausstatten: Mit Büchern, Faksimiles, Texten, Objekten und 6 Fragmenten aus meinem Film auf verschiedenen DVD-Playern.

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Am 11. Juli 2006

mache ich in der Kunsthalle nachfolgende Veranstaltung:"Von Geistern und Spukteilchen"

Ein Abend im Spannungsfeld zwischen Kunst, Wissenschaft und Medien.
Kunsthalle Düsseldorf, 11. Juli, 19.30 Uhr.

Der Abend ist eine Premiere in mehrfachem Sinne. Ich zeige Ausschnitte aus meinen Dokumentarfilmen über Geister und Spuk und bisher noch nicht gezeigtes Material. Außerdem gibt es eine Begegnung der besonderen Art: Ein Quanten-Physiker (N.N.) trifft auf den Physiker und Spukforscher Dr. Walter von Lucadou. Was beide verbindet sind die so genannten "Spukhaften Erscheinungen".

Die Idee zu dieser Begegnung bekam ich, als ich entdeckte, dass in beiden Wissenschaftszweigen der SPUK eine wichtige Rolle spielt. Während die Arbeit am Quanten-Computer seit einigen Jahren auf zunehmendes wirtschaftliches Interesse stößt, hat die Spukforschung oft damit zu kämpfen, in die Esoteriker-Ecke gestellt zu werden. Könnte es nicht sein, dass es sich um ein Naturphänomen handelt, bei dem allein die Betrachtung und die Dimension unterschiedlich ist? Beide Wissenschaftler arbeiten mit ähnlichen Systemen und Theorien.

Spuk geschieht dann auf der Micro-Ebene und gleichzeitig auf der für einen Beobachter sichtbaren Macro-Ebene. Sind dies vielleicht die "zwei Seiten der Medaille" die wir Wirklichkeit nennen?

Ich erfülle mir mit diesem Abend einen lang gehegten Wunsch. In meiner künstlerischen Arbeit geht es ihm (geht es wem?) immer um Überschreitung von Grenzen und Genres. Es verspricht ein spannender Abend zu werden, ein Abend in der Kunst und Wissenschaft gemeinsam versuchen, einem Welträtsel ein Quäntchen näher zu kommen.

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www.das-Spukhaus.de

 


 


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