Das Spukhaus von Stans


Das Spukhaus von Stans

"Wäre der Spuk mir nicht selbst begegnet und wäre ich nicht schonungslos als Beute diesem rasenden Ungetüm vorgeworfen worden, ich hätte der Erzählung anderer nicht geglaubt.
Von der Existenz dieser wilden Bestie, habe ich mit allen wachen Sinnen und an helllichtem Tage überzeugen können. Dieser Schlag traf mich so unvermutet und so hart, wie es kaum ein anderes Unglück vermocht hätte.

Meine Liebe zur Wahrheit veranlasst mich, unverfälschtes, öffentliches Zeugnis abzulegen.
Getrieben von der Hoffnung, dass es eines Tages der Wissenschaft gelingen wird, das Rätsel des Spuks zu lösen. Ein Rätsel, durch das schließlich die gesamte Familie aus unserer geliebten Heimat vertrieben und vernichtet wurde."

- Melchior Joller, Zürich 12. September 1863 -

 

Mit diesen Worten wollen wir Ihnen eine Geschichte darlegen, die sich 1862 tatsächlich in Stans zugetragen hat!

Melchior Joller ein angesehener Anwalt, Nationalrat und Vater, berichtet in seinem Tagebuch über mysteriöse Spukphänomene, die ihm und seiner Familie zugestoßen sind!

Das Spukhaus von Stans
Melchior Joller und Familie



Am 5. Juni 1862
nahm die Tragödie ihren Lauf, als Oskar - der Sohn von Melchior Joller - nicht zum Abendessen erschien. Als die Familie ihn suchte, fand man den Jungen ohnmächtig in einer Kammer liegen.

Als er wieder erwachte, berichtete er davon, dass es dreimal an die Türe klopfte und diese sich dann öffnete. Er sah eine weißlich unförmige Gestalt in die Kammer eintreten, kurz darauf verließen ihn die Sinne und er wurde ohnmächtig.


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Die Kammer heute

 

Am 4. Juli 1862
wird Joller selbst Zeuge eines mysteriösen Ereignisses, welches selbst er sich nicht erklären konnte. Nach Beendigung eines Gerichtstermins kam Joller nach Hause. Kurze Zeit später rief ihn seine Frau zu sich ins Treppenhaus. Kaum im Treppenhaus, vernahm Joller auch schon seltsame Klopfgeräusche, die aus dem Inneren des Treppenhauses bzw. aus den Wänden zu kommen schienen! Er hörte zwölf mäßige Klopfgeräusche, die sich scheinbar bewegten. Sein erster Gedanke galt an Ungeziefer, doch wie er selbst gegen die Wand klopfte um etwaige Ratten zu verscheuchen, bekam er eine Art klopfende Antwort zurück.

Kurze Zeit später gab es dunkle Schläge als würde jemand mit der Faust zuschlagen und dann ertönte ein Klopfen an die Stubentüre. Joller dachte, jemand verlangte Eintritt, ging zur Türe und öffnete diese. Jedoch war dort niemand zu sehen.

 

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Die Stube


Am 16. August 1862
ist Joller davon überzeugt, dass man ein böses Spiel mit ihm treibt. Er wälzte Bücher über Experimentalphysik, um dem anhaltenden Klopfgeräusch auf die Schliche zu kommen. Seine Bücher gaben ihm keine Antworten auf seine Fragen. So ging er nun selbst und bewaffnet mit einem Stilett in seinen Keller. Er selbst war der festen Überzeugung, jemand habe möglicherweise Apparaturen im Keller angebracht.

Doch so sorgfältig Joller auch den Keller absuchte, er fand nichts, was auf die seltsamen Ereignisse im Haus zurückzuführen wäre.


Am 26. August 1862

spitzte sich die Lage zu, als das Dienstmädchen und eines seiner Töchter ein schreckliches Erlebnis hatten. Beide befanden sich im Obergeschoss des Hauses, als sie im Gang schwere Tritte gegen die Tür vernahmen. Als sie nachschauten sahen sie, wie sich der schwere Eisenriegel bewegte und die Türe sich langsam von alleine öffnete.

Vor Angst gepeinigt, sprangen sie aus dem oberen Stockwerk hinunter und zogen sich leichte Fußverletzungen zu.


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Der kleine Gang


Am 3. September 1862
waren die Ereignisse, die sich im Hause Joller zutrugen, nicht mehr geheim.

Die Zeitungen schrieben bereits schon überregional, was sich bei den Jollers zutrug. Auch die Gemeinde ließ sich nicht abhalten am Hause der Jollers zu stehen und sich zu bekreuzigen, angelockt von den Schlägen, die sie aus dem Hause kommen hörten.

Joller selber hatte bereits Angst um das Haus, da die Schläge und das Klopfen immer lauter wurden. Die Schläge waren so laut und fest, dass sogar der schwere Eichentisch, einige Zentimeter vom Boden abhob und die Gegenstände die darauf lagen, hinunter fielen. Joller hatte schon die Befürchtungen, dass das Haus unter diesem Grollen einstürzen könnte.

 

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Am 16. September 1862
Schlimmer für die Familie waren nicht nur das Poltern, sondern das nebst ihnen auch der Besuch Berührungen verspüren konnte, dessen Ursprung nicht auszumachen war!

Eines nachts spürte Melchior Joller die Hand eines Kindes, welches ihm über die Wange strich. Noch im Halbschlaf ergriff er die Hand des Kindes und erschrak sich, denn diese Hand fühlte sich nicht wie die warme gesunde Hand seines Sohnes an!

Als er letztendlich ziemlich erschrocken die Augen öffnete, war sein Sohn nicht da.


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Das Schlafgemach


Am 18. September 1862

Die Situation, welche sich im Hause zu trugen, spitzten sich von Tag zu Tag zu, so dass Melchior Joller nicht mal mehr seinem Beruf nachgehen konnte.

Seine Familie hatte nunmehr Angst am helllichten Tage alleine in dem Haus zu sein, da nicht nur das Gepoltere und die Berührungen von Tag zu Tag mehr wurden. Nun verschwanden Dinge vor ihren Augen und tauchten an anderer Stelle wieder auf.

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Am 21.September 1862
Nun wurde eine Dreier-Kommission einberufen, die sich dem Geschehen im Hause Joller annehmen sollten. Dazu war es nötig, dass die gesamte Familie Joller für drei Tage in das Hotel Engel ziehen sollte.

Die Kommission war nunmehr drei Tage und Nächte im besagten Hause, doch von einem Poltern und Grollen oder verschwindenden Gegenständen bis hin zu wundersamen Berührungen, tat sich nichts im Hause Joller. Und der Kommission blieb nichts anderes übrig, als in ihrem Bericht festzuhalten, dass keinerlei mysteriöse Vorkommnisse geschehen sind. Die Untersuchungen wurden eingestellt und der Fall ad acta gelegt. Die Familie Joller zog des nachts noch in ihr Haus zurück.

Am 22. September 1862
Kaum hatte die Familie Joller die Stube verlassen, vernahmen sie auch schon schnelle Schritte. Es klang fast so, als würde ein Schar von Leuten in Socken in der Stube herumtanzen. Um zu lauschen weilte Melchior Joller kurz vor der Tür, als er diese dann öffnete.

Die Familie war verwundert über den Anblick, der sich ihnen mit der geöffneten Türe bot. Der Tisch und die Stühle waren nicht mehr an ihrem gewohnten Platz, sondern es bot sich ein heilloses durcheinander.

Der Tisch lag auf seiner Tischplatte und die Stühle wurden ebenfalls mit der Sitzfläche nach unten auf dem Tisch positioniert. Dies alles geschah binnen einer Minute.

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Der Bericht der Dreier-Kommission

 

Am 2. Oktober 1862
Melchior Joller beobachtete am frühen Morgen, wie sich ein Apfel verselbstständigte, indem dieser die Treppe herunterhüpfte. Von dort an der Haustüre vorbei in die Stube, dort kurz verweilte und dann weiter in die Küche hüpfte.

Die Magd nahm den hüpfenden Apfel und warf ihn dann zum Fenster hinaus.

Der Apfel kam durchs selbige Fenster wieder herein geflogen und lag dann auf dem Küchentisch. Als Melchior Joller später wieder in die Küche kam, schlug eine Birne direkt neben ihm auf den Boden auf. Diese Birne schien von der Decke gekommen zu sein.


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Der Tisch und die Stühle - ein seltsames Bild


Am 12. Oktober 1862
Melchior Joller fügte folgende Worte in sein Tagebuch:
"Wer das Unglück hat, von einem solchen Ereignis berührt zu werden, den schützt weder Familienglück noch Ansehen und unbefleckter Name.
Ich habe vieles ertragen, das fürchterliche Poltern und Lärmen, die mächtigen Erschütterungen, die geisterhaften Erscheinungen und die Ängste um Leib und Leben unserer Familie. Ich habe den Tumult und die Sensationsgier ums Haus ertragen und dass die staatlichen Stellen mich allein gelassen haben.

Ich habe auch ertragen, dass die zahlreichen Zeugen von ihren Aussagen abrückten und sich nicht mehr erinnern wollten. Eines aber konnte ich nicht ertragen: Die anonymen Angriffe in den Zeitungen, die feigen Gerüchte, den Hohn und Spott, ausgerechnet aus den Reihen meiner Freunde. Das war ein Angriff auf meine Ehre und die meiner Familie und hat mir am Ende das Fundament für das Bleiben in meiner geliebten Heimat entzogen."

Diese Tragödie war letztendlich der Grund, warum ein angesehener Mann nebst seiner Familie, all ihre Zelte abbrechen mussten um der Schmach zu entgehen.

 

Das Spukhaus von Stans
Der Apfel macht sich selbstständig

 

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Melchior Joller: Das Spukhaus von Stans
Nachwort: Brigitt Flüeler
Verlag: edition b
ISBN 3-033-00961-1 / 978-3-033-00961-5
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