Inmitten des Beelitzer Stadtwaldes und südlich von Potsdam,
errichtete die Landesversicherungsanstalt (LVA) Berlin die Lungenheilstätten
und Sanatorien. Das Gebiet hatte sehr gute Anbindung an Berlin und
an das Potsdamer Umland. Es wurde eines der größten Krankenhauskomplexe
im Berliner Umland und mustergültig für diese Zeit . Mit
hohem medizinischen Aufwand und sozialem Engagement wurde gegen
die Tuberkulose, als verheerende Krankheit, zu Ende des 19. Jahrhunderts
vorgegangen. Man erkannte, dass die Stärkung des Organismus
und die medizinische Behandlung als eine Gesamtheit auszurichten
war, besonders im Frühstadium der Krankheit. Daher war dieses
Gebiet - es bot die notwendigen klimatischen Voraussetzungen (ruhig
und windgeschützt, rauch- und staubfrei) - sehr gut geeignet
für eine hygienisch-diätetische Allgemeinbehandlung und
ausgiebige Aufenthalte im Freien. Es
wurde ein Finanzfond eingerichtet, welches dieses größte
Heilstätten-Bauprogramm (das größte Europas) ermöglichte.
1928 erreichte es mit rund 60 Anstalten seinen Höhepunkt.
Im Jahre 1894
begann die LVA mit dem Bau der vier Heilstätten, nahe der Stadt
Beelitz (zwei Lungenheilstätten und zwei Sanatorien) für
Männer und Frauen, welche strikt getrennt wurden.
1898 und 1930 erste Bauphase:
Heino Schmieden und Julius Boethke (seinerzeit führende deutsche
Krankenhausarchitekten), wurden mit dem Bau bzw. der Planung beauftragt.
Die bauliche Konzeption bestimmte die Eisenbahn und Landstraße,
welche das Gebiet in vier gleich große Bereiche teilten.
Bereiche nördlich der Eisenbahn wurden zu den Lungenheilstätten,
Bereiche südlich der Eisenbahn wurden zu den Sanatorien, welche
zur Behandlung nicht ansteckender Krankheiten genützt wurden
(Verdauungs-, Stoffwechsel- oder Herzkrankheiten). Westlich der
Landstraße waren die Frauen untergebracht, mit den Gebäuden,
wo nur Frauen beschäftigt waren (Waschhäuser, Küchengebäude)
und östlich die Männer, mit den Gebäuden mit überwiegend
männlichen Beschäftigten (Werkstätten, Fuhrpark,
Heizhaus). Die einzige Ausnahmen waren die Kirche und das zentrale
Badehaus. Die Kirche existiert heute nicht mehr.
Die
Anlage hatte 600 Betten mit ihren Versorgungs- und Nebengebäuden,
war aber auf bis zu dreifache Patientenzahl ausgerichtet und demissioniert.
Die Anordnung der Krankenpavillons war in West-Ost-Richtung, Patientenzimmer,
Liegehallen und Terrassen direkt nach Süden ausgerichtet. Die
Räumlichkeiten waren modern und zweckmäßig eingerichtet.
Die Außenanlagen wurden mit vielen Kiefern und Laubbäumen
bepflanzt - für weitläufige Spazierwege.
Geist

1905 bis 1908 zweite Bauphase:
unter der Leitung des Architekten Fritz Schulz. Es entstanden weitere
Gebäude mit 300 Betten, sowie Betriebs- und Nebengebäude,
Wohnhäuser für Ärzte, Beamte und Angestellte, sowie
zusätzliche Wirtschaftsgebäude. So verfügte das gesamte
Gelände über 1.200 Betten, sowie Postamt, Restaurant,
Gärtnerei, Stallungen, Werkstätten, zwei Küchen,
zwei Waschküchen, eigene Bäckerei und eine Fleischerei.
Somit konnten sich die Heilstätten selbständig versorgen.
Kernstück: Heiz- und Maschinenhaus, versorgte das gesamte Heilstättengelände
mit mehr als ein 10 km langes Kanalnetz für Energie- und Wärmeversorgung,
Elektroenergie, Trink- und Warmwasser. Somit bestand nicht die Gefahr
für staubende Heizungsanlagen.
Im 1. Weltkrieg
bezog erstmals das Militär die Beelitzer Heilstätten.
Das Rote Kreuz benutzte das Gelände als Lazarett. Auch Adolf
Hitler wurde dort versorgt, als er noch einfacher Soldat war.
Nach dem Krieg wurden die Heilstätten wieder für die zivile
Bevölkerung genutzt und nur kurz während der Wirtschaftskrise
und Inflation vorübergehend teilweise geschlossen.
1925
war wieder alles beim Alten mit einer Bettenbelegung von 1.200 Betten.
1926 bis 1930 dritte Bauphase:
Neubau der Zentralwäscherei und des Chirurgie-Pavillons auf
dem Gebiet der Lungenheilstätte für Frauen. Die Lungenchirurgie
wurde jedoch durch die rasch aufkommende Chemotherapie der Tuberkulose
weitgehend abgelöst.
Im 2. Weltkrieg:
wurden die Heilstätten erneut vom Militär als Lazarett
und Lungenheilstätte genutzt.
Die Kirche wurde stark zerstört und abgerissen. Vom Wohnhaus
der Ärzte blieb lediglich ein Rest des Erdgeschosses stehen.
Im
Jahre 1945 bis 1998
wurde es zum militärischem Sperrgebiet und beherbergten das
zentrale Militärhospital der Westgruppe der sowjetischen Truppen.
Somit blieb vieles erhalten und vom Verfall verschont.
Geist
1994
Abzug der sowjetischen Garnison und die Rückübertragung
des Geländes an die LVA Berlin. Die konnte sich aber die Sanierung
nicht leisten, somit erwarb Roland Ernst das Gelände.
1995
wurde das rund 200 ha große Gelände unter
Denkmalschutz gestellt.
1997
Es wird begonnen einige Häuser zu sanieren und zu Kur- und
REHA-Kliniken umzugestalten.
Der neue Gesundheitspark Beelitz umfaßt u.a. die neurologische
Rehabilitationsklinik, eine Rehabilitationsklinik für Kinder
und Jugendliche, eine Parkinson-Klinik für Bewegungsstörungen,
eine Langzeitpflegestation und die Akademie zur Ausbildung von Pflege-
und Gesundheitsberufen.
Auch wurden Wohnhäuser und Einfamilienhäuser gebaut. Der
Standort soll zu einem neuen Beelitzer Ortsteil für rund 3.000
Einwohner und rund 1.000 Arbeitsplätze entwickelt werden. Das
Wasserwerk der Heilstätten wird modernisiert und erweitert.
Der Förderverein Heiz-Kraft-Werk Beelitz-Heilstätten e.V.
wird gestärkt und durch die Übernahme des Heiz- und Maschinenhauses
eines der zentralen Denkmalgebäudes saniert. Dies beträgt
ca. 1/3 des gesamten Geländes, welches wieder genutzt wird
(auf der Seite der Männersanatorien). Die restlichen Häuser
sind noch in ihrem alten desolaten Zustand. Das ganze Gelände
ist mit einem Tunnelsystem unterirdisch verbunden. Die Eingänge,
die gefunden wurden, wurden zum Teil alle verschlossen und sind
somit nicht zu betreten.
2000
Stillstand, infolge der Insolvenz der Eigentümergesellschaft.
Zahlreiche historische Gebäude sind vom Verfall bedroht.