Geister, die keine sind
Natürliche Ursachen für vermeintliche Geistererscheinungen

 


Habe ich tatsächlich einen Geist gesehen?

Millionen von Menschen auf der Welt sind sich sicher, schon einmal einen Geist gesehen zu haben, oder zumindest Zeugen eines Spuks oder einer unsichtbaren Aktivität gewesen zu sein. Wiederum kennen sehr viele mindestens eine Person, die eine paranormale Präsenz gesehen oder deutlich wahrgenommen haben soll. Dennoch sollte uns bewusst sein, dass uns unsere Sinne - das Sehen, Hören, Fühlen und auch das Berühren und Riechen - oftmals einen Streich spielen können.

Häufig stellt sich heraus, dass gewisse psychische und physische Faktoren dafür verantwortlich waren, dass uns unsere Wahrnehmung vorgaukelte, wir hätten tatsächlich ein "Geist" gesehen oder eine unheimliche Wahrnehmung erlebt. Diese kann in vielen Fällen durchaus sehr intensiv und überwältigend sein.

Während einer Untersuchung ist es zwingend - was auch immer passiert - den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren. Vor allem ist es elementar, immer nach einer natürlichen Ursache zu suchen, bevor man es als eine paranormale Begebenheit deklariert. Bei vielen Anlässen, und das sollte betont werden, wird die natürliche Ursache oft erst später entdeckt: Elektrische Störungen, eine ungewöhnliche Umgebung oder Müdigkeit sind die drei bedeutsamsten Faktoren, die in Betracht gezogen werden müssen.

 

Geister, die keine sind
Marder unterm Dach

 

Merkwürdige Geräusche sind oft auf defekte Rohre, Nagetiere, Wind/Durchzug oder auf menschliche Einwirkungen zurückzuführen. Jeder von uns hat bestimmt schon mal eigenartige Laute wahrgenommen, oder etwas Seltsames gesichtet, dessen Ursache wir uns auf Anhieb nicht erklären konnten, die sich nach einer genaueren Prüfung aber als harmlos entpuppt haben. Nun, es gibt zahllose Möglichkeiten die für "Poltergeister" in Betracht kommen könnten. Abgesehen davon sollte man die psychologische Verfassung des "Opfers" nicht außer Acht lassen!

Jeder objektiver und erfahrener paranormaler Forscher wird viele Geschichten über Ereignisse und Vorfälle zu berichten haben, die ihn beinahe getäuscht hatten. Oftmals sind diese unbewusst selbst verursacht, oder aber manchmal kommt es vor, dass die Fakten schlicht und einfach falsch gedeutet worden sind. In der Geschichte des Paranormalen gab es viele Fälle voller Irrtümer, Täuschung und selbstverständlich auch Betrug.

 

Geister, die keine sind
Sax Rohmer


Sax Rohmer (1883 - 1959), ein englischer Kriminalautor und Esoteriker und Erschaffer der Kultfiguren "Dr. Fu Manchu" und "Sumuru", schrieb einst über ein Haus, von dem man festgestellt hatte, dass der vermeintliche "Spuk" dort durch Mäuse verursacht worden waren, an dessen Schwänze man Glöckchen gebunden hatte. Diese waren dressiert worden, immer wieder an den Täfelungen entlang zu rennen! Ereignisse dieser Art tauchen wohl eher selten auf, aber es gibt sie!


 

"Der Fall der nie einer war"

Dann gibt es einen besonderen Fall, den Peter Underwood, ein Ehrenmitglied der Paranormalen Gesellschaft, gerne "Der Fall, der nie einer war" nennt. Hierbei handelt es sich um ein Anwesen in Sussex, von diesem ihm Meldungen ereichten, dass dort geisterhafte Musik zu hören sei. Die "Society for Psychical Research" (SPR) fragte irgendwann bei Peter Underwood an, ob er mal der Sache auf den Grund gehen könne. Die SPR hatte bereits zwei Forscher dort hin geschickt, die aber total konfus und ratlos wieder zurückgekommen waren.

Underwood erkundigte sich behutsam beim Inhaber des Anwesens und erhielt daraufhin eine Einladung, das Haus persönlich zu besichtigen. Der Mann berichtete ihm, dass sich bereits viele so genannte "Experten" diesem Fall angenommen hatten. Alle hätten zwar ebenfalls diese mysteriöse Melodie vernommen, doch niemand von ihnen hatte eine plausible Erklärung dafür gefunden. Peter Underwoods erster Eindruck von diesem Mann, der übrigens völlig alleine in diesem großen Haus lebte, war, dass dieser zwar ein einsamer Mensch sein musste, doch er schien überraschend gelassen zu sein, so als ob er sich von diesen mysteriösen Melodien nicht aus der Ruhe bringen ließ.

 

Geister, die keine sind
Peter Underwood, Ehrenmitglied der SPR


Underwood erfuhr, dass diese Töne von überall zu hören wären, von jedem Raum und zu jeder Tages- oder Nachtszeit. Der Eigentümer berichtete ausführlich über alle Personen, die an diesem Fall beteiligt gewesen waren und über ihre Ermittlungen. Peter stellte ihm alle möglichen Fragen und erfuhr, dass es keine besonderen Uhrzeiten für das Phänomen gab, keine periodischen Abstände, keine Legenden oder Geschichten, die sich um das Anwesen rankten und auch keine ehemaligen Besitzer, die mit diesem Phänomen in Zusammenhang gebracht werden konnten.

Nach einer Weile glaubte Underwood, schwach eine Melodie zu vernehmen, es schien ein wenig entfernt aus einem Nebenzimmer zu kommen. Doch als er sich dort hin begab, verstummte die Melodie. Die nächsten drei Stunden unternahmen beide einen gründlichen Rundgang durch das ganze Haus. Peter stellte irgendwann fest, dass die Melodie ansetzte, wenn sein Gastgeber sich in seinem Lieblingssessel bequemte, also bat er ihn um eine Bedenkpause. Ihm war aufgefallen, dass dessen linker Arm sich bewegte hatte und es schien, als umklammere er die gepolsterte Armlehne seines Sessels, bevor die Melodie ansetzte. Einige Zeit ließ Peter seinen Gastgeber im Glauben, dass er den Eindruck habe, die Musik würde in unterschiedlichen Räumen vernommen, jedoch stets im Untergeschoss und das sei schon mal ein wichtiger Hinweis. In Wahrheit jedoch beobachtete er sein Gegenüber dabei sehr genau und stellte fest, dass die Musik sofort verstummte, sobald dieser sich von seinen Sessel hob. Zudem war es in jedem Raum zu hören, wenn Peter sich alleine auf die Tour begab, jedoch nie, wenn sein Gastgeber dabei anwesend war.

Schließlich verschwand der Hausherr in die Küche, um ein Tablett mit Kaffeetassen zu holen. In dieser Zeit untersuchte Peter eilig den Sessel, in dem sein Gastgeber die ganze Zeit über gesessen hatte, und siehe an! Peter entdeckte einige kleine Druckknöpfe, verborgen unter der Polsterung beider Armlehnen. Er betätigte eines der Knöpfe und plötzlich ertönte eine Melodie! Peters Gastgeber kam eilig aus der Küche gelaufen, doch Peter hatte sich bereits wieder zurück an seinem Platz begeben. Der Hausherr wirkte sichtlich verärgert, als er in Peters amüsiertes Gesicht blickte. Er wusste, sein Spiel war aufgeflogen und er hatte erkannt, dass er aufgeben musste. Sechs Jahre lang hatte er sich über alle möglichen Personen amüsiert, die vergeblich versucht hatten herauszufinden, woher die Musik kam. Dabei kam die Melodie lediglich aus den Lautsprechern, die er jeweils unter dem Dielenboden angebracht hatte. Er hatte nie behauptet, die Musik sei spukhafter Natur, auf diese Erklärung wären seine Besucher gekommen.

Peter Underwood und dieser Mann trennten sich freundschaftlich. Peter sah ihn nie wieder. Jahre später sprach ihn ein SPR Mitglied an, ob er sich denn nicht ein Haus ansehen wolle. Es gäbe da ein Anwesen im Süden. Hier würde man immer einen mysteriösen Hund bellen hören. Als Underwood den Namen des Besitzers erfuhr, wollte er nicht mehr mit diesem Fall belästigt werden.

Passend dazu meinte John Clutton, ein ehemaliger Sekretär von SPR: "Wir studieren häufig die Person selbst, bevor wir uns den Phänomenen widmen."

 

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Mumiensarg, Britisches Museum - London


Dann gibt es noch einen bekannten Fall über ein Mumien-Sarg im britischen Museum in London. Man behauptete, am Mumien-Sarg hafte ein Spuk. Angeblich sei er verflucht und hätte Pech und Tod über die Besitzer gebracht. Dr. Margret Murray war seinerzeit ein Mitglied des "Ghost Clubs" und gab zu, diese Geschichte spontan erfunden zu haben, als ein Kollege, ein großer Anhänger des Okkulten, sie anbettelte, die wahre Geschichte des Sarges zu erzählen. Margret Murray konnte der Gelegenheit einfach nicht widerstehen, erzählte munter weiter, als ob sie selbst dabei gewesen wäre und ergötzte sich bei ihrem leichtgläubigen Freund, der ihrer langen und ausführlichen Geschichte immer mehr glauben schenkte. Später amüsierte sie sich immer wieder, wenn sie ihre erfundene Geschichte von allen möglichen Leuten hörte, so als ob tatsächlich etwas an diesem Fluch dran sei.
Immer wenn sie ihre Studenten ins britische Museum begleitete, um ägyptische Hieroglyphen zu studieren, machte sie stets vor dem besagten Raum halt, in dem sich der verfluchte Mumien-Sarg befand und erzählte etwas über den angeblichen Spuk. Sie ließ es jedem frei, den Raum nicht zu betreten, sollten sie an diesen Nonsens glauben schenken. Es fanden sich tatsächlich immer einige Studenten darunter, die lieber draußen vor dem Raum auf die restliche Gruppe warteten, als hinein zu gehen.

 


Natürliche Ursachen

Abgesehen von diversen Scherzbolden gibt es Fälle, in denen natürliche Ursachen den Eindruck erwecken, von unerklärlichen Phänomenen heimgesucht zu werden. Hier ein Beispiel eines britischen Geisterjägers:

Die Geschichte spielte sich im norden Englands ab. Ein junges Paar, Anfang 20, frisch verheiratet, war eben erst in eine Blockhauswohnung eingezogen. Unmittelbar sofort spielten sich in der Wohnung unheimliche Vorgänge ab. Zunächst begann alles völlig harmlos, als das Paar eines morgens bemerkte, dass eine Vase von ihrem Wohnzimmer bewegt worden war. Es hatte am Abend zuvor noch auf dem Kaminsims gestanden und nun hatte es jemand auf den Esszimmertisch gestellt. Fünf Tage später waren alle Lichter in der Wohnung eingeschaltet, obwohl beide schwören konnten, sie die Nacht zuvor ausgeschaltet zu haben. Ihr erster Gedanke war, hier musste wohl ein Einbrecher eingedrungen sein, doch als sie die Wohnung durchsuchten, fanden sie weder Anzeichen für ein Einbruch, noch wurde etwas vermisst. Das Paar wunderte sich darüber und stellte die Vase wieder an ihren ursprünglichen Platz. Am morgen danach fanden sie den Aschenbecher nicht mehr auf dem Esszimmertisch. Dieser war geleert und gesäubert worden und lag nun im Küchenschrank.

Am nächsten Tag entdeckten sie, dass einige Möbel im Gästezimmer umgestellt worden waren und am Tag danach hatte man den kleinen Tisch im Flur gegen den Servierwagen aus der Küche ausgetauscht. Sowohl der Tisch, als auch der Servierwagen rochen stark nach Politur. So entdeckte das Paar jeden morgen ungewöhnliche Dinge. Sie versuchten vergeblich herauszufinden, wer das verursacht haben könnte. Ein Einbruch war auszuschließen, also musste jemand einen Schlüssel zu ihrer Wohnung besitzen. Sie dachten daran die Polizei einzuschalten, doch dann ließen sie die Idee fallen, da ja nichts vermisst wurde. Also wurde das Schloss am Eingang ausgewechselt und die Fenster besonders abgesichert.

 

Geister, die keine sind
Das junge Ehepaar war sehr verzweifelt


Doch es half alles nichts. Es wurde sogar immer schlimmer. Immer mehr Dinge wurden umgeräumt. Teilweise blieb das Paar bis spät in die Nacht wach, um den Täter zu erwischen, aber der Einbrecher schien schlau zu sein, denn in jenen Nächten geschah nichts Außergewöhnliches, also konnte es sich nicht um etwas Menschliches handeln, denn wer konnte wissen, dass sie auf ihn warteten? Diese Phänomene traten schon sechs Monate auf und sie kamen einfach nicht weiter. Inzwischen glaubte das Paar von einem Poltergeist heimgesucht zu werden. Da sie nicht besonders wohlhabend waren, mussten sie drei Monate warten, bis sie sich endlich eine andere Wohnung mieten konnten. Diesmal verließen sie nicht nur die Wohnung, sondern zogen auch gleich ins Ausland. Der Mann fand ein Job in Irland und das Paar mietete eine kleine Doppelhaushälfte am Stadtrand von Dublin.

Der Umzug lief ohne weitere Vorkommnisse glatt, jedoch hatte er sie sehr angestrengt. Immerhin hatte sich die Mühe gelohnt - seit fast einem Monat hatte das Paar wieder Frieden in ihrem neuen Haus.

Doch der Geist suchte sie wieder heim. Diesmal schien es noch aktiver zu sein und an Energie zugenommen zu haben, denn als sie an diesem besagten Morgen herunter kamen, waren alle Möbel im Wohnzimmer umgestellt. Die Frau fiel beinahe in Ohnmacht, als sie das sah. Sie hatte keine Kraft mehr das Haus wieder in den alten Zustand zu versetzen. Am nächsten Morgen war das Geschirr vom Vorabend gespült worden und der Fußboden sauber gemacht. Von diesem Tag an wurde der Geist immer hilfsbereiter. Besonders der Abwasch schien ihm außerordentlichen Spaß zu bereiten.

Doch hilfsbereit oder nicht, das Paar litt sehr darunter. Sie hatten viel zu viele gruselige Filme über Geister gesehen, daher waren ihnen diese Umstände mehr als unheimlich und bedrohlich. Sie fragten sich, welches Wesen so etwas tat und zu welchem Zweck? Und was wenn es sie irgendwann angriff? Wenn es ihnen das Haus in Brand steckte? Sie mussten es unbedingt loswerden, also entschieden sie sich für eine Exorzierung.

Der Mann bat einen einheimischen Pfarrer um Rat. Der Geistliche befragte beide Partner getrennt und war überzeugt, dass es sich um etwas Übernatürliches handeln musste. Das Paar war glaubhaft und litt scheinbar sehr unter diesen Vorkommnissen. Der Pfarrer verwies sie an einen Exorzisten, der sie ebenfalls befragte und das ganze Haus untersuchte, bevor er sich dazu entschloss, den Exorzismus durchzuführen.

Die "Teufelsaustreibung" fand acht Tage später statt und dauerte gerade mal eine Stunde. Es brachte jedoch keine Besserung. Das Paar besprach eine zweite Sitzung abzuhalten, als jemand vorschlug, einen parapsychologischen Forscher zu Rate zu ziehen, der sich auf Poltergeister spezialisiert hatte. Das schien eine angemessene Beschreibung für das zu sein, was sich bei ihnen abspielte, also kontaktierten sie die Person und fragten nach, ob er bereit sein würde zu helfen. Der Parapsychologe machte deutlich, dass er sich das Haus zuvor genau ansehen und untersuchen müsse, um herauszufinden, um was es sich da genau handelt. Das Paar war einverstanden.

Am besagten Abend der Untersuchung stellte der Forscher eine Infrarotkamera und Tonbandgeräte auf. Als das Paar schlafen ging, machte sich der Mann auf der Coach im Wohnzimmer bequem, schaltete die Lichter aus und war auf eine lange Nachtwache gefasst. Sobald sich seine Augen der Dunkelheit angepasst hatten, konnte er alles gut sehen, denn es drang genug Licht von den Straßenlaternen draußen herein.

Kurz vor drei Uhr am Morgen öffnete sich die Wohnzimmertüre ganz langsam. Zur Überraschung des Parapsychologen kam die Frau in ihrem Nachthemd herein und lief zur Küche, dort begann sie sogleich das Geschirr zu spülen. Sie war eine Schlafwanderin!





Dies ist ein beispielhafter Fall für eine völlig natürliche Ursache, die fälschlicherweise als Poltergeistangriff gedeutet wurde. Solche und ähnliche Situationen geschehen viel öfter als man es sich vorstellen kann.


Dann gab es einmal ein altes, verlassenes Herrenhaus in Yorkshire, das seinen geisterhaften Ruf bekam, weil vorbeifahrende stets einen "Geist" aus dem Fester starren sahen. Bei der Untersuchung stellte es sich jedoch heraus, dass sich auf der Glasscheibe ein lebensgroßer Umriss einer Frau abzeichnete, der nur von einem bestimmten Winkel aus zu sehen war. Die Ermittler machten klar, dass diese Phänomene bekannt sind und durch Blitze verursacht werden. In diesem Fall stand die Person wohl zum Zeitpunkt des Gewitters vor dem Fenster und wurde so verewigt. Eine natürliche Fotografie also.

Ein allgemein bekannteres Phänomen, genannt "water hammer" (engl. Fachbegriff für Druckstöße in Wasserleitungen) hat vielen alten Häusern den zweifelhaften Ruf eines Geisterhauses verliehen. In den alten Zentralheizungssystemen, meist verursacht durch Luft in den Rohrsystemen, werden manch grausige Töne erzeugt. Häufig ist das der Fall, wenn diese Heizungen lange Zeit nicht mehr benutzt worden sind und wieder eingeschaltet werden. Es setzte ein lautes metallisches Klopfen ein. Die Töne sind im ganzen Haus zu hören. Der Geräuschpegel ist so hoch und die Töne so eigenartig, dass jemand, der mit diesem Phänomen nicht vertraut ist, leicht überzeugt werden kann, sich in einem Spukhaus zu befinden.

In einsamen Landhäusern können in stürmischen Tagen ebenfalls unheimliche Töne aus dem Kamin kommen. Meist erklingen sie wie ein Stöhnen oder schweres Atmen. Es scheint, als ob sich ein unsichtbares, riesig monströses Wesen im Raum herumtreiben würde.

Dann gibt es noch diese geisterhaften Lichter. Seit Jahrhunderten glaubte man, ein Naturgeist husche über Kirchhöfe und über das Sumpfland. Heute wissen wir es besser: Methangas, erzeugt durch Vermoderung oder Verwesung, entzündet sich in manchen Fällen selbst und die Flammen wandern durch die Gegend.


Beispiele dieser Art sollten jedem bekannt sein, der sich ernsthaft mit dem Thema "Geisterjagd" beschäftigen möchte. Hier zählt der Grundsatz des "Occam´s Razor":* Sich auf das Wesentliche konzentrieren. Bezogen im paranormalen Bereich bedeutet es, dass wenn man mit einem Mysterium konfrontiert wird, man immer erst die einfachsten und wahrscheinlichsten Erklärungen in Erwägung ziehen sollte.
Mit anderen Worten: Ein Geist ist erst dann ein Geist, wenn alle natürlichen Ursachen vollständig ausgeschlossen werden können.

*Wilhelm von Ockham (um 1288 - vor 1349), englischer Theologe und Philosoph



Wir "sehen", was wir wünschen zu "sehen"

Wie wahr sind also unsere Wahrnehmungen? Unser Gehirn ist ein Organ, das von der Evolution zum Überleben entwickelt worden ist und ebenso ist die Funktion unserer Wahrnehmungsorgane entstanden und zwar, um uns das Überleben zu erleichtern. Genau hier liegt das Problem, denn Angstzustände können gewisse physiologische Symptome auslösen, die unsere Wahrnehmung erhöhen, wie:

- Erhöhte Aufmerksamkeit, Pupillen weiten sich, das Seh- und Hörvermögen wird geschärft
- Erhöhte Muskelanspannung und Reaktionsgeschwindigkeit
- Erhöhte Herzfrequenz
- Flachere und schnellere Atmung

In diesem Zustand werden Geräusche oder Sichtungen meist fehl gedeutet. Unser Puls rast und wir überlegen, was wir als nächstes tun sollen. Bei genauerer Betrachtung bemerken wir meist, dass es unbegründet war. Wir beruhigen uns, während uns unser Verstand eine Erklärung für die Situation liefert. Die Natur nimmt lieber in Kauf, dass wir fehl reagieren, nach dem Motto: Ein einziger Irrtum kann folgenreicher sein als mehrere Fehlalarme.

Leider weigern sich viele Betroffene, natürliche Ursachen und Erklärungen anhand von Beweisen zu akzeptieren. Sie glauben felsenfest, die Ursache sei paranormaler Natur. Auf solche Menschen wird man leider immer wieder treffen.

Viele angebliche Geistersichtungen tauchen oft in einer kritischen Lebensphase auf oder sind "Nebenwirkungen" der Schlafparalyse. In diesem Zustand kann schon einmal ein Kleidungsstück auf einem Bettpfosten wie ein menschlicher Schatten wirken, die Lichtspiegelung, verursacht durch ein vorbeifahrendes Fahrzeug, erzeugt so manches mal in diesem Zustand mysteriöse Lichtphänomene im Schlafzimmer usw.

Einige von uns sehen, was sie sehen möchten und hören was sie hören möchten. Wir sollten darüber nachdenken, was wir tatsächlich sehen und was wir "wünschen" zu sehen. Wenn wir z.B. glauben, wir schliefen in einem Haus, in dem es angeblich spukt, dann werden wir bestimmt irgendein merkwürdiges Geräusch in der Nacht vernehmen, weil wir mehr oder weniger bewusst gezielt danach horchen werden. Möglicherweise wachen wir des Öfteren mitten in der Nacht auf und fühlen uns beobachtet. Doch wir öffnen unsere Augen nicht, weil wir glauben, würden wir sie öffnen, würden wir einen Geist erblicken. Also lassen wir sie geschlossen und versuchen die Angst zu verdrängen und weiter zu schlafen.

Wir müssen zugeben, dass diese und ähnliche Arten von "Spuk" sehr häufig vorkommen, in den meisten Fällen jedoch reine Einbildungen sind.

 

 


 

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