|
Die Geisterjäger sind unter uns Tag für Tag flimmern uns die Dramen des Lebens ins Haus - der Glotze sei Dank! Von ihr lassen wir uns "entführen" in eine Welt aus Liebe und Hass, Spannung und Klamauk - je nachdem. Serienhelden werden da schnell vertraut wie ein alter Freund. Alltag sieht wahrlich anders aus - oder nicht?! Wer genau hinschaut, der findet den Stoff für manche Fernsehserie auch gleich bei sich um die Ecke. In dieser Serie stellen wir fest: Die besten Geschichten schreibt noch immer das Leben! Von Uwe Blümel Sie fühlen sich heimlich beobachtet, spüren förmlich die Nähe fremder Personen in einem dunklen Raum oder hören in völliger Stille Stimmen und Geräusche? Solchen übernatürlichen Phänomenen sind sieben Sachsen auf der Spur. Inzwischen haben sie ihr eigenes "Akte X-Archiv". Die sächsische Geisterjagd-Zentrale liegt in Rochlitz - zwischen Leipzig und Chemnitz. Sabrina Herfurth (29) ist die "Akte X - Scully" von Sachsen. Der gelernten Reiseverkehrskauffrau jagt ein schauriges Horror-Erlebnis regelmäßig eine Gänsehaut über den Rücken: "Ich war neugierig, fuhr mit einem Freund in die berüchtigte Uhlbergkapelle von Bayern." An dieser Klosterruine tief im Wald soll es spuken. "Dort hatte ich plötzlich das Gefühl, als würde sich etwas durch meinen Körper hindurchzwängen. Es war schaurig. Ich hatte Todesangst." Sie fing an zu fotografieren. Mysteriös: Auf allen Schnappschüssen von einem Toilettenhäuschen in der Nähe bewegen sich rätselhafte Nebelschwaden direkt auf die Fotografin zu. "Der Nebel war vorher vor Ort aber nicht zu sehen", schwört Sabrina, die im Blätterlaub auf dem Boden auch Fratzen mit Glotzaugen und weit geöffnetem Mund erblickte. Jetzt wird sie die Geister, die sie rief, nicht mehr los. Als Sabrina ihrem Bruder Tim (23) davon berichtete, erinnerte auch er sich an unerklärliche Begebenheiten aus seinem Leben, an Albträume, Wachträume und den sprichwörtlichen Schwarzen Mann an seinem Bett. Zu den Geschwistern gesellte sich per Internet schnell eine Schar Geistesverwandter - wie Steve Bethke (29) aus Annaberg-Buchholz: "Ich war lange Skeptiker von Okkultismus. Doch dann habe ich Fotos eines leerstehenden Abbruchhauses in Annaberg gesehen, auf denen ein Gesicht am Fenster grinst ..." Aus Leipzig meldeten sich mehrere Leute, die auf dem Südfriedhof eine geheimnisvolle Gestalt über den Weg huschen sahen. Aus ihrer Angst wurde Neugier. Jetzt ziehen die Sachsen zu siebt auf Jagd, nennen sich selbst "Ghosthunter" (Geisterjäger). "Wir forschen nach Ursachen für übersinnliche Phänomene.", erklärt Sabrina: "Wir sind aber keine Geisterbeschwörer, nehmen nicht an okkulten Ritualen teil!" Gemeinsam wittern sie die Spuren von Übersinnlichem. Ein Hilferuf beorderte das Team kürzlich nach Gotha: Ein junges Pärchen klagte über drei Geister, die in ihrer Wohnung über einer ehemaligen Diskothek ihr Unwesen trieben. Wir fanden keine Indizien für Geisterspuk", sagt Sabrina. Mystische Tonbandaufnahmen entpuppten sich vielmehr als Schleudergeräusche einer Waschmaschine. "Um tiefgründiger zu suchen, müsste man sich nächtelang in dem Haus einquartieren." Doch bei einem Besuch in der General-Olbricht-Kaserne in Leipzig kam es zum Geisterkontakt. Die Gespensterfahnder setzten sich still in einen Raum, schalteten ihr Aufnahmegerät ein und sprachen Fragen ins Nichts: Ist noch jemand hier? Willst du uns etwas sagen?
Diesmal waren die sieben geistreichen Ermittler nicht allein. "Ich zuckte zusammen, als ich zu Hause auf den Bändern plötzlich ein `Hallo` nach unseren Fragen hörte und eine Männerstimme sagte in klirrendem Ton `Das reicht`", erzählt Sabrina. Die Rochlitzerin nutzt inzwischen auch ihre Urlaubsreisen, um mit Geistern Kontakt aufzunehmen - in einem Spuk-Hotel in Kanada, in einer Ruine in Irland und im Gespensterhaus Mary King´s Close in Edinburgh. Doch warum in die Ferne schweifen, wenn es auch zu Hause spukt? So durften die Geisterjäger sogar hinter den 1000 Jahre alten Gemäuern des Rochlitzer Schlosses stöbern. "Für mich war es ein spannendes Experiment", begründete Schlossherr Peter Knierriem (43) von der Staatlichen Schlösser- und Burgenverwaltung seine Erlaubnis. "Ich fand die Anfrage überhaupt nicht irrwitzig. Die Aktion kostete nix, und es ging auch nix kaputt." Eines Abends nach Anbruch der Dunkelheit öffnete Knierriem seinen Folterkeller und ließ die Geisterjäger im Dunkeln tappen. "Damit keine störenden elektrischen Felder unsere Instrumente stören, wurde der Strom abgeschaltet", erzählt Tim. Die Geisterjäger dokumentierten in dieser Nacht geheimnisvolle Geräusche von Schlüsseln, die sich in den Schlössern drehten und den Lärm von Truhen und Schränken, die wie von Geisterhand verrückt wurden. Spuken nachts die Geister im Rochlitzer Schloss? Liegt ein Fluch auf dem Burgberg? Dieses Geheimnis können die Geisterjäger erst bei ihrem nächsten nächtlichen Schlossbesuch klären. "Wir hatten nämlich vergessen, das Aufnahmegerät in der Folterkammer anzuschalten", sagte Sabrina. Wollen die Gespenster anonym bleiben, oder war es nur Anfängerpech der siebenköpfigen Geisterjagdgesellschaft?
Moderne Technik soll das Unerklärliche erhellen Gespenster schweben nicht spurlos vorüber. Die Geisterjäger sind ihnen mit moderner Technik auf den Fersen. Ihre Waffen im Kampf gegen nächtliche Spukgeschichten sind vorallem Digitalkamera und Fotoapparat. "Obwohl wir ein Objekt immer mehrfach unabhängig voneinander fotografieren, gibt es auf manchen Fotos rätselhafte Unterschiede." Bei der PU (Paranormale Untersuchung) wird die Geräuschkulisse vom Diktiergerät analysiert. Mit der Infrarotkamera konnten im Rochlitzer Schloss auf der Empore rätselhafte Gesichter sichtbar gemacht werden. Eine Videokamera mit Restlichtverstärker deckt im Dunkeln vorüberhuschende Gespenster auf. Mit Hilfe eines leuchtstarken Laserpointers merken die Ghosthunter, wenn sich Geister vor ihnen bewegen. "Wenn sie durch den Lichtstrahl treten, würde er unterbrochen", erklärt Tim. Mit einem Infrarot-Thermometer hat Tim an der "Straße der 53" in Leipzig die rastlosen Seelen der 53 dort im 2. Weltkrieg Ermordeten aufgespürt: "Das Gerät hat sogenannte Cold Spots angezeigt. Diese bis zu vier Grad `kalten Stellen` wanderten ständig umher." Steve stellt Geistern mit einem handelsüblichen Elektrosmogtester nach (ermittelt im Haushalt zum Beispiel Trafo-Felder von Nachttischlampen): "Er meldet plötzlich auftretende elektromagnetische Felder. Weil diese aber auch von Handys erzeugt werden, müssen Mobiltelefone bei unseren Geisterjagden ausgeschaltet bleiben." Sicherheitshalber haben die Ghosthunter übrigens immer auch einen Sanitätskoffer mit dabei - für Unfälle in der Finsternis. "Wir suchen noch Mitstreiter", sagt Sabrina. "Nüchterne Skeptiker, die einer rätselhaften Sache auf den Grund gehen möchten, sind sehr willkommen." Geisterbeschwörer haben bei den "Akte X" - Agenten von Sachsen keinen Platz. Infos: http://www.GeisterNet.com
|