Die Geschichte der Portraits

Es scheint so, als ob die Medien krampfhaft versuchen, für die Entstehung der traurigen Bilder eine möglichst dramatische Geschichte zu liefern. Da man sich vor allem die Frage stellt, warum jemand ausgerechnet weinende Kinder malt, sollen diese Geschichten möglicherweise eine Erklärung für die Tränen des Jungen liefern. Wir haben hier ein paar dieser Theorien für Sie zusammengestellt:


Auf einem Campingplatz

 

Eines Tages, es war auf einem Campingplatz in Spanien, sah Bragolin einen weinenden Jungen vor einem Campingwagen stehen. Der Junge war wohl traurig darüber, weil er seine Eltern nicht finden konnte. Da der Künstler zufällig seine Malutensilien dabei hatte, entschloss er sich spontan, den Jungen zu malen. Er benötigte nicht lange für das Bild. Als er sich vom Kind verabschiedete, waren auch bereits die Eltern des Jungen eingetroffen. Bragolin versprach ihnen, noch einmal vorbei zu schauen

So kam es, dass er eines Tages nochmals vorbei kam, doch leider später als versprochen und fand den Wohnwagen der Familie abgebrannt vor. Die Nachbarn erzählten ihm, dass der Caravan einen Tag zuvor niedergebrannt sei, samt Mutter, Vater und dem Jungen. Das alles soll Mitte Juli zwischen 1967 und 1969 auf einem spanischen Campingplatz widerfahren sein.

Es heißt, genau ein Jahr nach diesem Unglück, brach irgendwo in einer Wohnung, in dem das Originalbild aufgehängt war, ein Brand aus. Die Wohnung brannte vollständig ab, bis auf das Bild - das blieb mysteriöser Weise völlig unversehrt! Es heißt, das Bild soll danach überall Brände verursacht haben, wo es aufgehängt worden war. Ob irgendwelche Personen dabei zu Schaden kamen, wird hier nicht erwähnt. Aufgefallen ist nur, dass das Bild jedes Mal verschont wurde. Es soll immer unbeschädigt auf dem Boden vorgefunden worden sein. Es wird behauptet, dass die mysteriösen Brände schlagartig aufhörten, nachdem man das Original abgehängt hatte. Wo sich das Bild heute befindet, ist leider nicht bekannt. Es soll die Signatur "Der weinende Junge von Bragolin" tragen.

Der Fluch
Hat sich der Junge dafür gerächt, weil der Künstler viel zu spät kam? Ob der Maler unbewusst durch sein Versprechen, welches er dann nicht mehr einhalten konnte, einen Fluch ausgelöst hat? Wurde der Brand im Wohnwagen aufgrund einer defekten Gasflasche ausgelöst, welche mit dem versprochenen Geld hätte ausgetauscht werden können...?

 


Das Kriegskind

Die Geschichte des "weinenden Jungen" begann in der Kriegszeit. Um welchen Krieg es sich hierbei handelte, wird leider nicht erwähnt. Ein kleiner Junge musste mit ansehen, wie sein Vater und Mutter vom Feind erschossen wurden. Er und seine Schwester überlebten dieses schreckliche Geschehen. Die armen Kinder hatten nun alles verloren und wussten nicht mehr wohin und was sie tun sollten. Schmutzig und hungrig saßen sie in Häuserecken. Eines Tages wurde der Künstler "Bragolin" auf sie aufmerksam. Er malte ein Bild von jedem einzelnen. Kurz danach sollen beide Kinder auch umgekommen sein.

Der Fluch
Laut dieser Geschichte soll der Geist beider Kinder im Bild gefangen sein. Es heißt, sollten sie je getrennt werden, bringen sie Unglück über ihren Besitzer, also müssen sie immer nebeneinander aufgehängt werden, damit der Fluch aufgehoben wird.


 

Man spekuliert

Überall in Internet stellt man sich die Frage, warum ausgerechnet diese Bilder verflucht sein sollten und kommt auf höchst bizarre Theorien. Sehr oft wird vermutet, das "Bragolin" die Kinder, die er gemalt hat, mit Sicherheit schlecht behandelt hat. Man geht sogar so weit zu behaupten, er habe sie in seinem Atelier gefangen gehalten und missbraucht. Dadurch sollen ihre gequälten Seelen in seinen Bildern gefangen worden sein. Bannte er dadurch ihren Zorn und ihre Trauer in seine Portraits?

Doch vielleicht hat der Künstler einfach nur mit Vorliebe Kinder mit traurigen Schicksalen gemalt. Er könnte durch die Armenviertel gezogen sein und die weinenden Kinder in den Ghettos gemalt haben. Oder er besuchte sie eventuell in den Heimen. Daher vielleicht auch diese Tränen in ihren großen traurigen Augen?

Ob die Nachahmungen ebenfalls Unglück gebracht haben, ist nicht genau bekannt. Eher Zufall, denn damals waren diese Bilder sehr modern, was bedeutet, dass beinahe in jedem Haushalt solch ein Bild vorzufinden war. Doch sollten diese Bilder tatsächlich verflucht sein, stellt sich die Frage, wie man diesen Fluch wieder los wird. Indem man das Bild verbrennt? Oder indem man es besänftigt und ein Portrait von einem weinenden Mädchen daneben aufhängt? Und dann ist da noch die Frage: Gilt das alles nur für das Original? Was ist mit den Kopien und den Kunstdrucken?



Wird der Fluch etwa durch das Verbrennen der Bilder gebannt?


Recherchen

Im Laufe unserer Recherchen stellte sich heraus, dass immer noch viele Menschen ein Exemplar dieser Bilder besitzen. Viele haben, nachdem sie über das seltsame Phänomen erfahren haben, versucht, ihr Exemplar loszuwerden, aus Angst, es könne tatsächlich etwas derartig Schreckliches passieren. Einige Besitzer sind sogar überzeugt, dass an den Geschichten etwas Wahres dran ist. In einigen Foren tauchten zahlreiche Userbeiträge auf, die so ähnlich lauteten wie dieser hier:

"Ich bin mir sicher, uns hat dieses Bild nur Unglück gebracht. Mein Vater wurde um sein Geld betrogen, er war selbstständig, dadurch sind wir in finanzielle Schwierigkeiten geraten und haben unsere Wohnung verloren. Mein Vater hat keinen Job mehr gefunden und so ging das weiter… Als wir dann erfahren haben, dass diese Bilder Pech bringen, haben wir es weggegeben und von da an ging's wieder bergauf. Mein Vater bekam wieder einen Job, wir haben wieder eine Wohnung und können uns sogar wieder was leisten. Nennt mich abergläubisch aber ich bin der Überzeugung, dass es an diesem Bild lag…"

Hier ein Bericht, der uns kürzlich von einem Leser eingereicht wurde!


Irgendwann stolperten wir über einen interessanten Bericht, in dem es heißt, dass man mittlerweile herausgefunden hat, wer das Kind auf diesen Bildern ist.


Der Entdecker dieses Rätsels: George Mallory, ein angeblich anerkannter Forscher von geheimnisvollen Angelegenheiten. Der ehemalige Schuldirektor von Devon behauptet, die Wahrheit schon bereits 1995 aufgedeckt zu haben.

Mallory meint, der Künstler, der hinter diesen umstrittenen Portraits steckt, sei ein alter spanischer Postkartenkünstler namens Franchot Sevilla, der in Madrid wohnt. Sevilla sagte, der "weinende Junge" sei ein kleiner Straßenbengel gewesen, den er 1969 in Madrid traf. Der Junge sprach nie und hatte stets einen sehr traurigen Blick - Sevilla malte den Jungen. Von einem katholischen Priester erfuhr er, dass der Junge Bonillo heißt und sehr jung mit ansehen musste, wie seine Eltern in den Flammen starben. Er soll anschließend davon gelaufen sein. Der Priester warnte den Künstler und meinte, er solle den Kontakt zu diesem Jungen abbrechen. Dieser Junge sei verflucht, denn wohin er gehe, verursache er einen Brand. Daher nannten ihn die Dorfbewohner "Diablo".

Sevilla ignorierte diesen abergläubischen Priester und kümmerte sich weiterhin um den Jungen. Die Gemälde des kleinen traurigen Jungen machten Sevilla bald ziemlich reich. Doch eines Tages brannte sein Studio bis auf die Grundmauern ab. Sevilla war pleite und beschuldigte Bonillo der Brandstiftung. Der Junge lief schreiend weg und wurde nie wieder gesehen. Plötzlich hörte man überall in Europa Berichte über Brände, in deren Trümmern man die verfluchten Bilder des weinenden Jungen gefunden hatte. Von da an galt der Maler Sevilla als verhext und bekam keine Aufträge mehr.

1976 explodierte ein Auto am Stadtrand von Barcelona, nachdem es in eine Mauer gefahren war. Die Leiche war so verkohlt, dass sie nicht identifiziert werden konnte. Im Handschuhfach fand man jedoch einen Teil eines Führerscheins. Es war nur teilweise verbrannt. Der Führerschein war ausgestellt auf einen jungen Mann im Alter von 19 Jahren mit dem Namen Bonillo. Handelte es sich hier um denselben jungen Mann, der acht Jahre zuvor von Sevilla gemalt wurde?

Wir werden es vermutlich nie erfahren, denn es wurde nie eine Person mit diesem Namen als Vermisst gemeldet.

 

Fragen über Fragen

Angenommen, der Bericht oben entspricht der Tatsache und es handelt sich tatsächlich um "Bragolins weinenden Jungen", der 1976 gegen diese Mauer gefahren ist, so müsste dieser zum Zeitpunkt der Portraitierung schon 12 gewesen sein! Wir fragen uns also, sieht eines der Kinder auf diesen Bildern aus, als ob es schon 12 Jahre alt ist? Sehr unwahrscheinlich, denn diese Kinder wirken viel zu jung. Demnach kann es sich also nicht um den oben genannten "Bonillo" handeln.

So langsam stellt sich die Frage, ob die Geschichten bezüglich des Fluches und den Bränden nicht einfach nur vorgegaukelt sind. Es gibt zu viele Ungereimtheiten - egal in welche Richtung die Recherchen gehen. Tatsache ist lediglich, dass sehr viele verschiedene Versionen dieser Stilrichtung existieren und auch Bilder von weinenden Mädchen zu finden sind. Da liegt die Vermutung nahe, dass diese herzbewegenden Bilder von vielen unbekannten Künstlern kopiert wurden. Möglicherweise fehlt daher auch an vielen der Bilder eine Signatur.


Diese Bilder sind oben rechts vom Künstler signiert. Hier leider nur sehr schwach zu sehen.

 

Ein Dokumentarfilm über Bragolins "weinenden Jungen"

1999 konnte man überall in den Themenforen einen Aufruf von Michiel Keller lesen, ein Filmemacher aus Holland, der mit dem Produzenten Marc Stekelenburg (Wonderland Film) zusammenarbeitete, um eine Dokumentation von 50 Minuten über den "weinenden Jungen" zu drehen.

Titel:
Why Did The Boy Cry?
(Warum weint der Junge?)

Zu der Zeit war Keller gerade daran, nähere Informationen darüber zu recherchieren. Speziell interessierte er sich für den Namen "Bragolin". Er hoffte auf Menschen zu treffen, die den Namen kennen oder besser, auf einen Familienangehörigen des Künstlers. Zudem suchte er nach dem Originalbild. Er selbst hat sich in sämtlichen Büchereien Hollands kundig gemacht, aber keine brauchbaren Information gefunden. Der Film sollte 2003 im Fernsehen und in den Arthouse Kinos ausgestrahlt werden. Ob der Film mittlerweile fertiggestellt wurde, ist leider nicht bekannt, denn bisher hat man nichts mehr davon gehört, nur, dass das Team mittlerweile andere Namen des Künstlers herausgefunden hätte und in diese Richtung recherchiert. Es handelte sich um die Namen C. Pariri und Basaldello.




"Fluch" aufgeklärt?

Tatsächlich boomte in den 60er Jahren eine bestimmte Kunstrichtung, die "Kitsch And The Big Eyed Art" genannt wurde. Kitsch und unschuldige Motive mit großen Augen waren beliebt. Es wurden kleine Kinder und auch Tiere mit großen traurigen Augen abgebildet. Die Künstler sollen jedoch von der seriösen Kunstgemeinde verschmäht worden sein. Ihre Arbeiten zählen heutzutage zur "Outsider Art".
Höchstwahrscheinlich ist "Bragolin" ein Pseudonym, der wegen dieser verschmähten Stilrichtung ungern mit seiner wahren Person in Verbindung gebracht werden wollte. Ob er nur den weinenden Jungen gemalt hat und die weinenden Mädchen Kopien anderer Künstler sind, konnte nicht eindeutig zugeordnet werden.


Hier ein paar "Kitch And The Big eyed Art"-Kunstwerke von "Kane"


Wie auch immer - es ist nicht verwunderlich, dass in zahlreichen Haushalten diese Bilder vorzufinden waren, da wie bereits erwähnt diese Kunstrichtung ziemlich beliebt war. Generell wäre es möglich, dass die Motive, gerade wegen ihrer emotionalen Art, diesen Mythos heraufbeschworen haben, denn wer sieht sich denn gerne weinende Kinder an? Nun, vielleicht bringt es ja wirklich Unglück sich weinende Kinderbilder ins Haus zu hängen? Für Abergläubige unter uns ist das bestimmt nicht so abwegig. Es gibt eine alte Legende die besagt, dass man seine Seele in einem Portrait einfangen könnte, entweder um länger zu leben oder um ein Leben nach dem Tod zu sichern.

Jetzt bleibt die Frage, woher kommt die Aussage, dass man bei zahlreichen Brandkatastrophen tatsächlich unversehrte Exemplare der Bilder fand? Eine Spezialbeschichtung der Bilder? Wohl kaum! Eher ein, oder zwei Zufälle unversehrter Bilder, der Rest vom Volk aufgebauschte urbane Legende...oder?

Wir haben jedenfalls im Internet in den Archiven von "Sun" (die englische Version der Bild-Zeitung!) nach dieser Geschichte gekramt. Über den "weinenden Jungen" gab es, wie bereits vermutet, nichts zu finden! Auch forschten wir nach diesem Feuerwehrmann Peter Hall, den "Sun", laut Story, angeblich interviewt hatte. Auch kein Erfolg. Leider stellt das Onlinearchiv von "Sun" nur Artikel ab 1996 zur Verfügung.



Für die "Fans" des "weinenden Jungen" bleibt jetzt nur noch zu hoffen, dass dieser Dokumentarfilm doch noch zu Ende gedreht wurde und wir eines Tages der Wahrheit ein Stückchen näher kommen.

 

 

Zum Disskussions-Thread in unserem Forum:
Verfluchte Bilder
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