Der
Fluch
Hat sich der Junge dafür gerächt, weil der Künstler
viel zu spät kam? Ob der Maler unbewusst durch sein Versprechen,
welches er dann nicht mehr einhalten konnte, einen Fluch ausgelöst
hat? Wurde der Brand im Wohnwagen aufgrund einer defekten Gasflasche
ausgelöst, welche mit dem versprochenen Geld hätte ausgetauscht
werden können...?

Das
Kriegskind
Die
Geschichte des "weinenden Jungen" begann in der Kriegszeit.
Um welchen Krieg es sich hierbei handelte, wird leider nicht erwähnt.
Ein kleiner Junge musste mit ansehen, wie sein Vater und Mutter vom
Feind erschossen wurden. Er und seine Schwester überlebten dieses
schreckliche Geschehen. Die armen Kinder hatten nun alles verloren
und wussten nicht mehr wohin und was sie tun sollten. Schmutzig und
hungrig saßen sie in Häuserecken. Eines Tages wurde der
Künstler "Bragolin" auf sie aufmerksam. Er malte ein
Bild von jedem einzelnen. Kurz danach sollen beide Kinder auch umgekommen
sein.
Der
Fluch
Laut dieser Geschichte soll der Geist beider Kinder im Bild gefangen
sein. Es heißt, sollten sie je getrennt werden, bringen sie
Unglück über ihren Besitzer, also müssen sie immer
nebeneinander aufgehängt werden, damit der Fluch aufgehoben wird.
Man
spekuliert
Überall in Internet stellt man sich die Frage, warum ausgerechnet
diese Bilder verflucht sein sollten und kommt auf höchst bizarre
Theorien. Sehr oft wird vermutet, das "Bragolin" die Kinder,
die er gemalt hat, mit Sicherheit schlecht behandelt hat. Man geht
sogar so weit zu behaupten, er habe sie in seinem Atelier gefangen
gehalten und missbraucht. Dadurch sollen ihre gequälten Seelen
in seinen Bildern gefangen worden sein. Bannte er dadurch ihren Zorn
und ihre Trauer in seine Portraits?
Doch vielleicht hat der Künstler einfach nur mit Vorliebe Kinder
mit traurigen Schicksalen gemalt. Er könnte durch die Armenviertel
gezogen sein und die weinenden Kinder in den Ghettos gemalt haben.
Oder er besuchte sie eventuell in den Heimen. Daher vielleicht auch
diese Tränen in ihren großen traurigen Augen?
Ob
die Nachahmungen ebenfalls Unglück gebracht haben, ist nicht
genau bekannt. Eher Zufall, denn damals waren diese Bilder sehr modern,
was bedeutet, dass beinahe in jedem Haushalt solch ein Bild vorzufinden
war. Doch sollten diese Bilder tatsächlich verflucht sein, stellt
sich die Frage, wie man diesen Fluch wieder los wird. Indem man das
Bild verbrennt? Oder indem man es besänftigt und ein Portrait
von einem weinenden Mädchen daneben aufhängt? Und dann ist
da noch die Frage: Gilt das alles nur für das Original? Was ist
mit den Kopien und den Kunstdrucken?

Wird der Fluch etwa durch das Verbrennen der Bilder
gebannt?
Recherchen
Im
Laufe unserer Recherchen stellte sich heraus, dass immer noch viele
Menschen ein Exemplar dieser Bilder besitzen. Viele haben, nachdem
sie über das seltsame Phänomen erfahren haben, versucht,
ihr Exemplar loszuwerden, aus Angst, es könne tatsächlich
etwas derartig Schreckliches passieren. Einige Besitzer sind sogar
überzeugt, dass an den Geschichten etwas Wahres dran ist. In
einigen Foren tauchten zahlreiche Userbeiträge auf, die so ähnlich
lauteten wie dieser hier:
"Ich
bin mir sicher, uns hat dieses Bild nur Unglück gebracht. Mein
Vater wurde um sein Geld betrogen, er war selbstständig, dadurch
sind wir in finanzielle Schwierigkeiten geraten und haben unsere
Wohnung verloren. Mein Vater hat keinen Job mehr gefunden und so
ging das weiter
Als wir dann erfahren haben, dass diese Bilder
Pech bringen, haben wir es weggegeben und von da an ging's wieder
bergauf. Mein Vater bekam wieder einen Job, wir haben wieder eine
Wohnung und können uns sogar wieder was leisten. Nennt mich
abergläubisch aber ich bin der Überzeugung, dass es an
diesem Bild lag
"
Hier
ein Bericht, der uns kürzlich von einem Leser eingereicht wurde!
Irgendwann stolperten wir über einen interessanten Bericht, in
dem es heißt, dass man mittlerweile herausgefunden hat, wer
das Kind auf diesen Bildern ist.
Der Entdecker dieses Rätsels: George Mallory, ein angeblich anerkannter
Forscher von geheimnisvollen Angelegenheiten. Der ehemalige Schuldirektor
von Devon behauptet, die Wahrheit schon bereits 1995 aufgedeckt zu
haben.
Mallory meint, der Künstler, der hinter diesen umstrittenen Portraits
steckt, sei ein alter spanischer Postkartenkünstler namens Franchot
Sevilla, der in Madrid wohnt. Sevilla sagte, der "weinende Junge"
sei ein kleiner Straßenbengel gewesen, den er 1969 in Madrid
traf. Der Junge sprach nie und hatte stets einen sehr traurigen Blick
- Sevilla malte den Jungen. Von einem katholischen Priester erfuhr
er, dass der Junge Bonillo heißt und sehr jung mit ansehen musste,
wie seine Eltern in den Flammen starben. Er soll anschließend
davon gelaufen sein. Der Priester warnte den Künstler und meinte,
er solle den Kontakt zu diesem Jungen abbrechen. Dieser Junge sei
verflucht, denn wohin er gehe, verursache er einen Brand. Daher nannten
ihn die Dorfbewohner "Diablo".
Sevilla
ignorierte diesen abergläubischen Priester und kümmerte
sich weiterhin um den Jungen. Die Gemälde des kleinen traurigen
Jungen machten Sevilla bald ziemlich reich. Doch eines Tages brannte
sein Studio bis auf die Grundmauern ab. Sevilla war pleite und beschuldigte
Bonillo der Brandstiftung. Der Junge lief schreiend weg und wurde
nie wieder gesehen. Plötzlich hörte man überall in
Europa Berichte über Brände, in deren Trümmern man
die verfluchten Bilder des weinenden Jungen gefunden hatte. Von da
an galt der Maler Sevilla als verhext und bekam keine Aufträge
mehr.

1976
explodierte ein Auto am Stadtrand von Barcelona, nachdem es in eine
Mauer gefahren war. Die Leiche war so verkohlt, dass sie nicht identifiziert
werden konnte. Im Handschuhfach fand man jedoch einen Teil eines Führerscheins.
Es war nur teilweise verbrannt. Der Führerschein war ausgestellt
auf einen jungen Mann im Alter von 19 Jahren mit dem Namen Bonillo.
Handelte es sich hier um denselben jungen Mann, der acht Jahre zuvor
von Sevilla gemalt wurde?
Wir
werden es vermutlich nie erfahren, denn es wurde nie eine Person
mit diesem Namen als Vermisst gemeldet.
Fragen
über Fragen
Angenommen,
der Bericht oben entspricht der Tatsache und es handelt sich tatsächlich
um "Bragolins weinenden Jungen", der 1976 gegen diese Mauer
gefahren ist, so müsste dieser zum Zeitpunkt der Portraitierung
schon 12 gewesen sein! Wir fragen uns also, sieht eines der Kinder
auf diesen Bildern aus, als ob es schon 12 Jahre alt ist? Sehr unwahrscheinlich,
denn diese Kinder wirken viel zu jung. Demnach kann es sich also nicht
um den oben genannten "Bonillo" handeln.
So langsam stellt sich die Frage, ob die Geschichten bezüglich
des Fluches und den Bränden nicht einfach nur vorgegaukelt sind.
Es gibt zu viele Ungereimtheiten - egal in welche Richtung die Recherchen
gehen. Tatsache ist lediglich, dass sehr viele verschiedene Versionen
dieser Stilrichtung existieren und auch Bilder von weinenden Mädchen
zu finden sind. Da liegt die Vermutung nahe, dass diese herzbewegenden
Bilder von vielen unbekannten Künstlern kopiert wurden. Möglicherweise
fehlt daher auch an vielen der Bilder eine Signatur.

Diese
Bilder sind oben rechts vom Künstler signiert. Hier leider nur
sehr schwach zu sehen.
Ein
Dokumentarfilm über Bragolins "weinenden Jungen"
1999 konnte man überall in den Themenforen einen Aufruf von Michiel
Keller lesen, ein Filmemacher aus Holland, der mit dem Produzenten
Marc Stekelenburg (Wonderland Film) zusammenarbeitete, um eine Dokumentation
von 50 Minuten über den "weinenden Jungen" zu drehen.
Titel:
Why Did The Boy Cry?
(Warum weint der Junge?)
Zu
der Zeit war Keller gerade daran, nähere Informationen darüber
zu recherchieren. Speziell interessierte er sich für den Namen
"Bragolin". Er hoffte auf Menschen zu treffen, die den Namen
kennen oder besser, auf einen Familienangehörigen des Künstlers.
Zudem suchte er nach dem Originalbild. Er selbst hat sich in sämtlichen
Büchereien Hollands kundig gemacht, aber keine brauchbaren Information
gefunden. Der Film sollte 2003 im Fernsehen und in den Arthouse Kinos
ausgestrahlt werden. Ob der Film mittlerweile fertiggestellt wurde,
ist leider nicht bekannt, denn bisher hat man nichts mehr davon gehört,
nur, dass das Team mittlerweile andere Namen des Künstlers herausgefunden
hätte und in diese Richtung recherchiert. Es handelte sich um
die Namen C. Pariri und Basaldello.
"Fluch"
aufgeklärt?
Tatsächlich
boomte in den 60er Jahren eine bestimmte Kunstrichtung, die "Kitsch
And The Big Eyed Art" genannt wurde. Kitsch und unschuldige Motive
mit großen Augen waren beliebt. Es wurden kleine Kinder und
auch Tiere mit großen traurigen Augen abgebildet. Die Künstler
sollen jedoch von der seriösen Kunstgemeinde verschmäht
worden sein. Ihre Arbeiten zählen heutzutage zur "Outsider
Art".
Höchstwahrscheinlich ist "Bragolin" ein Pseudonym,
der wegen dieser verschmähten Stilrichtung ungern mit seiner
wahren Person in Verbindung gebracht werden wollte. Ob er nur den
weinenden Jungen gemalt hat und die weinenden Mädchen Kopien
anderer Künstler sind, konnte nicht eindeutig zugeordnet werden.

Hier ein paar "Kitch And The Big eyed Art"-Kunstwerke
von "Kane"
Wie auch immer - es ist nicht verwunderlich, dass in zahlreichen Haushalten
diese Bilder vorzufinden waren, da wie bereits erwähnt diese
Kunstrichtung ziemlich beliebt war. Generell wäre es möglich,
dass die Motive, gerade wegen ihrer emotionalen Art, diesen Mythos
heraufbeschworen haben, denn wer sieht sich denn gerne weinende Kinder
an? Nun, vielleicht bringt es ja wirklich Unglück sich weinende
Kinderbilder ins Haus zu hängen? Für Abergläubige unter
uns ist das bestimmt nicht so abwegig. Es gibt eine alte Legende die
besagt, dass man seine Seele in einem Portrait einfangen könnte,
entweder um länger zu leben oder um ein Leben nach dem Tod zu
sichern.
Jetzt
bleibt die Frage, woher kommt die Aussage, dass man bei zahlreichen
Brandkatastrophen tatsächlich unversehrte Exemplare der Bilder
fand? Eine Spezialbeschichtung der Bilder? Wohl kaum! Eher ein, oder
zwei Zufälle unversehrter Bilder, der Rest vom Volk aufgebauschte
urbane Legende...oder?
Wir haben jedenfalls im Internet in den Archiven von "Sun"
(die englische Version der Bild-Zeitung!) nach dieser Geschichte gekramt.
Über den "weinenden Jungen" gab es, wie bereits vermutet,
nichts zu finden! Auch forschten wir nach diesem Feuerwehrmann Peter
Hall, den "Sun", laut Story, angeblich interviewt hatte.
Auch kein Erfolg. Leider stellt das Onlinearchiv von "Sun"
nur Artikel ab 1996 zur Verfügung.
Für die "Fans" des "weinenden Jungen" bleibt
jetzt nur noch zu hoffen, dass dieser Dokumentarfilm doch noch zu
Ende gedreht wurde und wir eines Tages der Wahrheit ein Stückchen
näher kommen.
Zum
Disskussions-Thread in unserem Forum:
Verfluchte
Bilder
Somit ist jeder interessierter Leser herzlich
dazu eingeladen, mitzudiskutieren!