Sir
Henry Griffith erbaute im Jahr 1590 die Burton Agnes Hall in Humberside
für seine Familie. Seine Tochter, Anne Griffith, soll ihn darum
gebeten haben, dass nach ihrem Tode ihr Schädel in der Hall aufbewahrt
werden sollte, um sich ihrer zu erinnern. Ihrem Wunsch wurde Folge geleistet
und ihr Kopf fand seinen Platz in der Burton Agnes Hall, wo er lange
Zeit verwahrt blieb.
Dieses Familienerbstück war den nachfolgenden Generationen nicht
geheuer und so versuchte man mehrmals, den Kopf von Agnes Griffith zu
entfernen. Grauenerregende Schreie verhinderten dies, denn sobald man
den Schädel aus dem Haus gebracht hatte, schrie der Schädel,
bis er wieder an seinen ursprünglichen Platz gestellt wurde.
Erst
Jahrhunderte später, im Jahr 1900, fand man endlich eine Lösung
für die unheimliche Hinterlassenschaft der Griffith Familie. Auf
dem Hof in einer Wand eingemauert, fand der Schädel seine letzte
Ruhestätte. Und wirklich, dieses Vorgehen brachte endlich Stille
in das Haus.

Michael
Pinney und der schreiende Schädel von Bettiscombe Manor, Dorset/England
(Foto von S. Marsden)
Eine
weitere Geschichte dreht sich um den Schädel von Theophilius Broome.
Das Grab dieses Mannes befindet sich auf dem Dorffriedhof von Chilton
Cantelo in Sommerset, England. Der Grabstein stammte aus dem Jahr 1670
und hier hat Theophilius Broomes Körper seine letzte Ruhe gefunden.
Jedoch nicht sein ganzer Körper, denn sein Schädel liegt sein
mehr als 300 Jahren in einem Schrank auf dem ehemaligen Gut des Verstorbenen.
Auf dem Sterbebett hatte Broome darum gebeten, dass sein Schädel
dort bleiben sollte. Jedoch war der Gedanke, den Kopf eines Toten in
der Nähe aufzubewahren, nicht sehr angenehm für seine Erben
und so versuchten sie den Schädel mit in das Grab zu legen. Der
Versuch misslang - mehrmals.
Auf
Theophilius' Grabstein kann man lesen, dass "schreckliche Laute,
die von großem Kummer kündeten" durch das ganze Dorf
drangen. Es herrschte erst wieder Ruhe, nachdem der Kopf wieder ausgegraben
und an seinen vorbestimmten Platz zurückgelegt wurde.
Der
Totenkopf eines wohl römisch-katholischen Priesters wird in Wardley
Hall bei Manchester aufbewahrt. Im Jahr 1641 wurde der Priester wegen
Verrats hingerichtet. Lange Zeit befand sich der Schädel in einem
Kirchturm von Manchester, ehe man ihn auf dem Friedhof von Wardley bestattete.
Auch dieser Schädel soll grausige Laute von sich gegeben haben,
als man ihn von seinem Platz entfernte. Man gab ihm sogar die Schuld
an dem heftigen Unwetter, die zu dieser Zeit herrschten. Erst wenn der
Kopf wieder an seinem angestammten Platz war, kehrte Ruhe ein, so berichtete
der Geisterforscher Eric Maple.

Ein
Filmausschnitt aus dem gleichnamigen B-Movie "Screemin Sculls"
Ein ebenso rätselhafter Schädel befindet sich auf dem Anwesen
der großen und alten Familie Pinney aus dem 17.Jahrhundert in
Bettiscombe in Dorset. Im Jahr 1685 verbannte man, nach der Niederlage
der Rebellen von Monmouth gegen König Jakob II., Azariah Pinney,
von dem Gut. Erst John Frederick Pinney, ein Enkel von Azariah, kehrte
auf das Land seiner Vorfahren zurück. Ein farbiger Sklave, der
als Kind verschleppt wurde und mittlerweile ein Freund der Pinneys war,
begleitete ihn. Frederick Pinney versprach seinem Sklaven, dass dieser
nach seinem Tode in seiner Heimat bestattet werden sollte. Leider verstarb
Frederick Pinney vor seinem Sklaven, so dass sich niemand an das Versprechen
gebunden fühlte. Man beerdigte den Sklaven auf dem Dorffriedhof,
in der Nähe seines früheren Herrn und das Unheil nahm seinen
Lauf. Ganze Unwetter vernichteten die Ernte, das Vieh siechte dahin
und einige der Bewohner waren sich sicher, Klagerufe aus dem Grab des
einstigen Sklaven zu hören.
Die
Gebeine des Toten wurden kurze Zeit später von der Familie Pinney
wieder ausgegraben und man nahm den Schädel, um ihm einen Platz
in ihrem Anwesen zu geben. Seltsamer Weise verstummten danach die Rufe
und auch die Unwetter und das Sterben der Tiere blieb aus. Michael Pinney,
ein Nachkomme der Familie, erzählte, dass jeder, der es auch nur
wagen würde, den Schädel aus dem Haus zu nehmen, binnen eines
Jahres sterben würde.
"The
House of the screaming Skull", das Haus des schreienden Schädels,
so nennt man mittlerweile das Anwesen der Familie. Als der Kopf eines
Tages neun Fuß tief vergraben wurde, fand man ihn am nächsten
Morgen, wie von Geisterhand bewegt, wieder an seinem Platz im Haus.
Dort steht er in einer Nische - bis heute ...

Der
schreiende Schädel
Es
gibt verschiedene mögliche Erklärungen, wie solche Geschichten
entstanden sein könnten. In vergangenen Zeiten wurden Tiere und
auch Menschen in das Fundament eines Hauses eingemauert, um die Götter
gnädig zu stimmen. Dies soll tief in dem römisch-britannischen
Opferbrauch verwurzelt sein.
Eine andere Theorie geht davon aus, dass solche Erzählungen auf
dem Gerücht basieren, Mönche und Nonnen, die gegen die Keuschheitsgelübde
verstießen, zur Strafe lebend eingemauert zu haben. Solche Hinrichtungen
kamen jedoch sehr wahrscheinlich seltener vor. Der Kopf eines Toten
wurde besonders in der Religion der Kelten sehr verehrt. Hier könnte
eine weitere Quelle zu finden sein. Die Kelten bewahrten abgetrennte
Schädel, als einen wertvollen Schatz in der Familie, oder an heiligen
Stätten als Opfergabe für ihre Götter, auf. Bislang fand
man viele kultische Steinköpfe in Großbritannien, was die
letzte Theorie durchaus untermauern würde.
Aber wo auch immer der Ursprung der "schreienden Schädel"
liegen mag, so haben sie doch eine Gemeinsamkeit: Sie setzen sich gegen
die Trennung von ihrem angestammten Aufbewahrungsort zur Wehr.