Der Spuk von Bremen
Der Spuk von Bremen, in dessen Mittelpunkt der damals 14jährige Heiner Sch. stand, gehört zu den Fällen, die die parapsychologische Forschung extrem in Aufruhr versetzte.
Im Jahr 1965 wurden die Besitzer eines Kaufhauses für Lebensmittel und Porzellan Opfer von augenscheinlich
übernatürlichen Phänomenen, die dazu führten, dass Porzellan und Geschirr im Wert von insgesamt 5.000 DM zu Bruch ging.
Ohne erkennbare Ursache flog Geschirr durch die Luft, fielen Einmachgläser aus den Regalen und eine wertvolle
Kaffeekanne flog über anderes Geschirr hinweg.
Manfred J. ein Lieferwagen-Fahrer stellte einmal Waren im Keller ab und vor seinen Augen fiel klirrend Geschirr aus den Regalen und volle Flaschenkästen kippten ihm entgegen. Als Auslöser wurde der 14jährige Lehrling Heiner Sch. ausgemacht. Die Vorgänge fanden über Wochen immer dann statt, wenn er anwesend und in der Nähe war. Um die Vorgänge zu untersuchen, zog man Polizei und Feuerwehr hinzu. Die Vorgänge gingen weiter, doch weder die Polizeibeamten, noch die Feuerwehrleute konnten die Ursache finden. Man sah Heiner allerdings nie seine Hände benutzen.
Prof. Hans Bender reiste nach Bremen und untersuchte den Fall.
Er kam zu der Überzeugung, dass Heiner Sch. über telekinetische Fähigkeiten verfügte.
Aufgrund der Vorfälle wurde Heiner entlassen und kam in eine Nervenklinik.
Danach wurden keine weiteren Vorfälle mehr im Geschäft festgestellt.
Prof. Bender holte Heiner nach einem Jahr in das Freiburger Institut, wo er ihn untersuchte und verschiedene Experimente durchführte. Später kam der Junge in eine Pflegefamilie, kam jedoch weiterhin zu Experimenten in das Freiburger Institut.
Dort brachte er einige beeindruckende paranormale Phänomene zustande.
So soll er bei einem Kartenexperiment phänomenale Ergebnisse erzielt haben.
13 Jahre später kam es zum Eklat.
Der ehemalige leitende Kriminaldirektor von Bremen, Dr. Herbert Schäfer, hatte von Heiner ein Geständnis erhalten,
in dem Dieser erklärte, die damaligen Vorfälle seien nicht auf übernatürlichem Wege entstanden und beschrieb,
wie er die Phänomene verursacht hatte.
Heiners Geständnis berichtet:
Er war bei seiner Großmutter aufgewachsen und gegen seinen Willen in die Lehre beim Geschirr- und Lebensmittelhändler S.
in die Lehre gekommen. Machte er etwas falsch, bekam er eine Ohrfeige und vor der Kundschaft wurde er als Tölpel beschimpft. Er war unglücklich und zornig und fühlte sich gedemütigt. Daher zerschlug er aus Wut Geschirr im Porzellankeller.
Als er merkte, dass er beobachtet wurde, habe er angefangen zu tricksen. Wenn sein Chef nicht da war, habe er im Keller Geschirr gegen die Wand geworfen und die Geräusche mit einem Tonbandgerät aufgenommen. Später habe er das Band abgespielt und der Händler und seine Frau rannten, alarmiert durch die Geräusche, in den Keller, wo sie das bereits zerbrochene Geschirr vorfanden. Wenn die Chefin mit Kunden im Keller war, habe er eine Kaffekanne über seine Schulter geworfen, die 'mit Glück' in einem vollen Regal landete und weiteres Geschirr mit sich zog. Als Feuerwehr und
Kriminalbeamte den Keller nach Strahlung absuchten, habe er einen Stapel Glasuntersetzer mit einem Querwurf
durch den Raum geschleudert und so die Beamten erschreckt.
Prof. Bender, der zur Untersuchung kam, habe ihn nie gefragt, ob er das Geschirr zerbrochen habe und sei überzeugt gewesen, dass es sich um Spuk handelt. Er habe die Vorgänge für wissenschaftlich wichig gehalten.
Im Institut in Freiburg habe er bei den Experimenten zum Gedankenlesen eine technische Skala mit einer Stecknadel manipuliert. Bei Kartenexperimenten habe er Kartensätze vorher heimlich geordnet, oder sich die Spiegelung der Brille des Kartengebers zunutze gemacht. Als ein amerikanisches Filmteam zu Besuch war, habe er in einem unbewachten Moment
mit einer Taschenlampe eine Kassette manipuliert und später 'prophezeit', dass die Aufnahmen nicht zu verwerten seien.
Was ja dann auch tatsächlich stimmte.
Als ein Experiment über die Beeinflussung von elektrischem Strom durch den Menschen geplant war, habe er die Panzersicherung des Hauses mit Stanniol überbrückt und mit einem Kabelstückchen, das er in der Hand
versteckte auch dieses Experiment manipuliert, in dem er mehrere Kurschlüsse verursachte. Bender habe wieder an übernatürliche Ursachen geglaubt und nicht einmal die verwendeten Steckdosen untersucht, bei denen man die
typischen Anzeichen hätte entdecken können.
Haken, die von selbst von der Wand fielen und dabei gefilmt wurden, seien schon vorher von ihm herausgerissen und mit Schmierseife behandelt worden. Auch diese Haken und die Dübellöcher seien nicht adäquat untersucht worden. Nach diesen Experimenten sei Bender in Jubelrufe ausgebrochen: "Dies ist der eindeutige Beweis für die Wissenschaft."
Abschließend sagte Heiner: "Es waren Jungenstreiche, die ich heute nicht mehr machen würde, schon allein deshalb nicht mehr, weil mir so ein doofer Professor auch nicht mehr vorkommen wird."
Dieses Geständnis brachte Dr. Schäfer vor der Kriminalistischen Studiengesellschaft in einem Referat über
"Täuschung und Irrtum im Aberglauben" an die Öffentlichkeit.
Hatte Prof. Bender sich tatsächlich so leicht täuschen lassen?
War damit der ganze Fall geklärt?
Nicht ganz, wie es scheint.
Dr. Schäfer hegte schon immer Argwohn gegen Spuk, Aberglaube und Telekinetisches. Vor allem hegte er Argwohn gegen
die Aktivitäten Prof. Benders. Er war dessen fanatischer Gegner und ebenso ein Gegner der Parapsychologie. Er wollte
Prof. Bender den Todesstoß versetzen. Gem. einem Zeitungsbericht äußerte er zu Kollegen: "Mir ist jedes Mittel recht,
wenn ich den damit zu Fall bringe."
War dieses Mittel ein gefälschtes Geständnis?
Für die Meisten, die in den Fall involviert waren, war das Geständnis von Heiner frei erfunden, denn so,
wie er sie beschrieb, konnten die Vorgänge nicht stattgefunden haben.
Die Ehefrau eines Bremer Arztes, Herta H., befragte eingehend alle Zeugen der Ereignisse, das Händlerehepaar, den Lieferwagen-Fahrer Manfred J., die Beamten der Polizei und Feuerwehr und die Mutter von Heiner. Alle sagten aus,
dass die Behauptungen im Geständnis frei erfunden waren. Man hatte immer genau gesehen,
dass seine Hände nicht im Spiel waren.
Auch Prof. Benders Assistenten brachten Gutachten, die aussagten, dass zumindest ein Teil der beschriebenen Manipulationen so nicht hätten stattfinden können. Prof. Bender veröffentlichte entsprechende
Gegendarstellungen in Tageszeitungen und Fachzeitschriften.
Interessant ist, dass Dr. Schäfer vier Jahre später in einem anderen Fall versuchte, durch Einschüchterung die Beteiligten
zu einem Geständnis zu bewegen, sie hätten die Vorgänge selbst verursacht. Dies gelang ihm jedoch diesmal nicht.
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Spuk von Bremen
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