Der
Ortspfarrer hatte die Gewohnheit, in dem restaurierten Gotteshaus
von Zeit zu Zeit Gottesdienste abzuhalten. Dabei soll er häufig
von einer unsichtbaren Entität gestört worden sein. Da sein
Bruder, der ebenfalls Pfarrer war, beim Besuch dieser Kirche die gleichen
beunruhigenden Erfahrungen gemacht hatte, wagte er es nach einigem
Zögern, offen über dieses Phänomen zu sprechen. Gemeindemitglieder,
die an der Messfeier teilnahmen, klagten über ähnliche unangenehme
Empfindungen, die sie vor allem in der Nähe der Kanzlei zu spüren
bekamen. Etwa Böses schien von ihnen Besitz ergreifen zu wollen.
Der Einfluss dieser "Wesenheit" war manchmal so stark, dass
der Pfarrer während des Gottesdienstes die Nerven verlor oder
einem Ohnmachtsanfall nahe war.

Eileen
Garrett (1893 - 1970)
Als die Vorsitzenden der Parapsychologischen Gesellschaft Großbritanniens,
der berühmten S.P.R., von den Vorgängen in Bradford-on-Avon
erführen, schickten sie ihr bestes Medium, Eileen Garrett, zusammen
mit zwei Begleitern - dem Ehepaar Barber - dorthin, um die Ursache
zu erkunden.
Eileen Garrett betrat das Kirchlein und sah sich übergangslos
ein einer völlig fremden Umgebung versetzt, in ein Gotteshaus,
wie es Jahrhunderte zuvor ausgesehen haben mochte. Als sie sich umsah,
nahm sie vor der Kirche eine große Menschenmenge wahr, Personen,
denen offenbar gerade das Abendmahl gereicht wurde. Der besseren Übersicht
wegen begab sie sich daraufhin an eine Stelle unmittelbar neben der
Kanzel, von wo aus sie durch ein Guckloch nach draußen blicken
konnte. Ihr fiel auf, dass die Männer und Frauen, wie Menschen
des 15. oder 16. Jahrhunderts gekleidet waren. In den Gesichtern der
Leute stand Hass und Ablehnung geschrieben. Frau Garrett gewann den
Eindruck, dass man diesen armen Menschen zum Gottesdienst befohlen
hatte. Niemand von ihnen schien von Freude und inneren Frieden erfüllt
zu sein.
Erst
viel später erfuhr sie, dass es vor Jahrhunderten in der Nähe
von Bradford eine große Leprakolonie gegeben hatte. Die von
der Krankheit befallenen Menschen waren zur Sicherheit der Gesunden
nur außerhalb der Kirche zum Gottesdienst zugelassen. Predigt
und Gebete vernahmen sie allenfalls durch die kleinen Fenster und
die Öffnung neben der Kanzel. Solche Gucklöcher sind auch
heute noch in vielen alten Kirchenbauten Englands zu sehen.

Noch während Frau Garrett durch die Öffnung nach draußen
schaute, wurde sie plötzlich unsanft am Hinterkopf geschubst.
Da sich zu diesem Zeitpunkt außer ihr und den Barbers weiter
niemand in der Kirche aufhielt, glaubte sie zunächst, dass ihre
Begleiter sie versehentlich angerempelt hatten. Die beiden hielten
sich in diesem Augenblick jedoch an einer anderen Stelle auf. Die
größte Überraschung stand Frau Garrett aber noch bevor,
denn mit einemmal sah sie sich einem furchterregenden Individuum gegenüber,
das in der Nähe von etwas stand, das wie eine Tür aussah.
Obwohl sie wusste, dass es dort in Wirklichkeit keine Tür gab,
schritt sie, neugierig geworden, geradewegs auf diese zu, wobei sie
sich der unheimlichen Erscheinung bedenklich näherte.
Aus nächster Nähe erwies sich die vermeintliche Tür
als ein in die Wand gelassenes Gewölbe, in dem etwas Unleserliches
eingemeißelt war. Diese Entdeckung schien ihr derart interessant,
dass sie spontan die Barbers herbeirief. Ob sie ihrer Aufforderung
nachkamen, erfuhr sie nicht mehr, denn im gleichen Augenblick erhielt
sie einen kurzen, kräftig geführten Stoß gegen den
Hinterkopf. Sie taumelte, fiel der Länge nach hin und verlor
das Bewusstsein. Es war, als habe sie eine unsichtbare Hand mit Absicht
zu Boden geschlagen. Zwei Stunden später kam sie in einer Gastwirtschaft
wieder zu sich. Sie hatte schreckliche Kopfschmerzen.
Unbeeindruckt
von ihrer Erfahrung, nahm sich Frau Garrett mehrmals fest vor, dass
Kirchlein noch öfters zu besuchen. Aber wie auch immer sie es
anstellte, wurde ihr Vorhaben stets durch andere wichtige Termine
durchkreuzt. Frau
Garrett erweckt durch ihre Schilderung den Eindruck, als wäre
sie beim Betreten des Gotteshauses in eine ferne Vergangenheit entdrückt
worden. Sie beschrieb nämlich die Kirche ganz anders, als es
sich Besuchern heute darbietet. Auch gab es in ihrer Vision unmittelbar
neben der Kirche keine Gebäude, sondern nur freies Feld.
Es
scheint, als ob die schrecklichen Zustände der damaligen Zeit,
in einer anderen Realität
bis in alle Ewigkeit fortdauern.