Unweit an einer der begehrtesten Adressen Londons steht das Haus Nr.
50 am Berkeley Square.
Unter anderem Residenz von George Canning (*11.04.1770; 8.08.1827),
Außenminister und für kurze Zeit Premierminister Londons,
der auch dort verstarb.
Berkeley
Square Nr.50
Im 19. Jahrhundert stand das Gebäude, das als das meist heimgesuchteste
Haus Londons zählt, immer mal wieder leer und ist heute der Sitz
des Antiquariats Maggs Bros. Ltd.
Grundriss und Innenansicht des Untergeschoss von Maggs Bros. Ltd.
Berkeley Sqaure Nr.50
Im Jahre 1872 erbat jemand bei der Zeitschrift Notes & Queries
um Auskunft, ob man so einigen Gerüchten Glauben schenken könne,
dass es in dem Haus spuke. Auf diese Anfrage hin folgte eine nicht enden
wollende Flut von Leserbriefen. Im August des Jahres 1879 schrieb ein
gewisser W.E. Howlett, wobei er sich auf einen Artikel vom vergangenen
Mai im Mayfair berief:
"Das
Mysterium um Berkeley Square wird ein Geheimnis bleiben Das Haus
verfügt über mindestens einen Raum, in dem eine schädliche,
übernatürliche Atmosphäre für Körper und Geist
herrscht. Ein Mädchen sah, hörte und empfand ein solches Grauen
in diesem Raum, dass es darüber den Verstand verlor und niemals
gesundete es soweit, dass es hätte Bericht darüber geben können.
Ein junger Mann, der nicht an paranormale Phänomene glaubte, wagte
es darin zu nächtigen und wurde tot auf dem Boden liegend vorgefunden,
nachdem er vergebens wie wild um Hilfe geklingelt hatte. Gerüchte
munkeln von anderen, ähnlichen Fällen bezüglich des geheimnisvollen
Raumes, die alle mit Wahnsinn, Tod oder beidem endeten.
Wie
"elektrisiert" erscheinen einem die Brandmauern des Gebäudes
wenn man sie berührt. Außer einem alten Hausmeisterehepaar
ist das Haus unbewohnt. Doch auch diese beiden haben keinen Zugang zu
diesem Raum, der verschlossen gehalten wird. Die Schlüssel sind
im Besitz einer mysteriösen, offenbar unbekannten und namenlosen
Person, die alle sechs Monate ins Haus kommt, das Ehepaar im Untergeschoss
einschließt und sich dann im bewussten Zimmer zu schaffen macht.."
Immer
mehr Details über die Geschichten des Hauses kamen ans Licht.
J.F. Meehan veröffentlichte einen Brief, der im Januar 1871 an
Bischof Thirlwall gerichtet war. In diesem Brief war die Rede von einer
Familie, die das Haus für die Ballsaison gemietet hatte, um ihre
bereits verlobte Tochter in die gehobene Gesellschaft Londons einzuführen.
Auch der Verlobte der jungen Frau wurde eingeladen, im Hause zu wohnen.
Am Abend vor dessen Ankunft war das Dienstmädchen noch um Mitternacht
in diesem Zimmer tätig, um es für die Ankunft zurecht zu machen,
bis plötzlich ein markerschütternder Schrei das gesamte Haus
aufstörte.
Als
man in das Zimmer kam, fand man das Dienstmädchen am Fuße
des Bettes am Boden liegend und sich in Krämpfen windend. Es starrte
mit entsetztem Blick in die gegenüberliegende Zimmerecke. Das Mädchen
wurde umgehend ins St. George's Hospital gebracht, indem sie am Morgen
verschied, ohne gesagt zu haben, was sie gesehen oder erlebt hatte.
Einzig, dass es zu grauenvoll gewesen sei, konnte man ihr entlocken.
St. George's Hospital London
Am
nächsten Morgen traf der Verlobte ein und man berichtete ihm
von den Vorfällen und bat ihn eingängig, nicht in dem Zimmer
zu nächtigen. Dieser bestand nun darauf in diesem Raum zu übernachten,
da er das Ganze für baren Unsinn hielt. Um die Gemüter zu
beruhigen erklärte er sich bereit, bis Mitternacht wach zu bleiben
und zu läuten, sollte sich etwas Ungewöhnliches ereignen.
Um Mitternacht dann ertönte die Glocke ein einziges Mal und nur
ganz schwach. In ängstlicher Spannung wartete die Familie einige
Minuten, bis die Glocke plötzlich mehrere Male laut durch das
Haus schrillte.
Sofort
eilte man in das Zimmer und fand den jungen Mann an der gleichen Stelle
am Boden liegend wie zuvor das Dienstmädchen. Auch er wand sich
in Krämpfen und blickte mit schreckenstarrenden Augen in dieselbe
Ecke des Raumes. Glücklicherweise überlebte der Verlobte
das Geschehnis, doch auch er weigerte sich strikt zu beschreiben,
was er Entsetzliches erlebt hatte.
Umgehend verließ die Familie das Haus.
In den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts berichteten Inhaber der umliegenden
Häuser immer wieder von Geräuschen und lauten Schreien,
die aus dem - zu der Zeit leeren und abgeschlossen - Haus zu hören
waren. Auch berichtete man von einer Art Weinen. Begleitet wurde das
Ganze von Möbelrücken, Läuten und dem lauten auf- und
zuschlagen von Fenstern. Sogar Bücher und Einrichtungsgegenstände
wurden auf die Straße geschleudert, obwohl sich nachweislich
niemand im Haus befand. Seltsamerweise war es im Haus immer ruhig
bei Untersuchungen dieser Vorfälle.
Was
die "Elektrisierung" der Brandmauern des Hauses anbelangt,
so erschien 1881 in Notes & Queries ein Brief der folgende Begebenheit
schilderte:
"Im
Sommer 1880 fand im benachbarten Haus Nr.49 ein Ball statt. Eine Dame
und ihr Partner saßen mit dem Rücken zur Wand, welche die
Trennwand zum Haus Nr.50 darstellt. Aus heiterem Himmel sprang die
Frau auf und schaute hinter sich, der Mann wollte sie gerade nach
dem Warum fragen, als auch er sich plötzlich veranlasst sah aufzuspringen.
Beide stellten erstaunt fest, nachdem sie ihre Eindrücke verglichen
hatten, das sie beide eine deutliche Kühle im Rücken gespürt
und das Gefühl hatten, jemand stehe hinter ihnen und schaue ihnen
durch die Wand hindurch über die Schulter."
Zeitschrift Notes & Queries
Doch
es gibt noch mehr Geschichten.
Ein
junges Mädchen namens Adela oder Adeline soll sich aus einem der
Fenster im Obergeschoss gestürzt haben, um ihrem Onkel, der ihr
unsittlich nachstellte, zu entkommen. Der Geist des verzweifelten Mädchens
wurde noch so manches Mal ans Fensterbrett geklammert gesichtet.
~*~
Aufgrund
einer Wette beschloss ein häufiger Besucher Londons, Sir Robert
Warboys, der nicht an Geister glaubte, im Haus zu nächtigen. Zum
Schutz vereinbarte man das Warboys läuten sollte, falls sich etwas
im Obergeschoss ereignen sollte. Lord Cholmondley und John Benson blieben
im sicheren Erdegeschoss des Gebäudes, während Warboys sich
mit einer Pistole bewaffnet zu Bett begab. Gegen 2 Uhr am Morgen ertönte
die Glocke gefolgt von einem zweiten heftigeren Läuten. Noch während
Cholmondley und Benson ins Obergeschoss eilten, ertönte ein Schuss
aus Warboys Pistole. Als sie die Tür öffneten, fanden sie
den 30 Jährigen Mann Tod auf dem Bett liegend. Sein lebloser Körper
lag auf dem Rücken quer über dem Bett und sein Kopf hing über,
fast den Boden berührend. Sein Gesichtausdruck beschrieb die blanke
Qual des Terrors. Der Schuss kam aus seiner Waffe, doch hatte er keine
Anzeichen einer Schussverletzung.
~*~
Am
Weihnachtsabend 1887 wurde in das, zur Zeit unbewohnte, Haus von zwei
Seeleuten, Robert Martin und Edward Blunden, von der H.M.S. Penelope,
eingebrochen, da sie für die Nacht eine billige Unterkunft benötigten.
In der Nacht wurden beide aufgeschreckt von gedämpften Schritten,
die die Treppe hinauf zu kommen schienen. Verunsichert lauschten die
beiden den Geräuschen, bis plötzlich etwas Unaussprechliches
das Zimmer betrat. Robert Martin konnte flüchten und rannte in
blinder Panik die Treppe hinunter auf die sichere Strasse, direkt in
die Arme eines Polizisten, der gerade Streife ging. Beide hörten
noch die todesangsterfüllten Schreie von Edward Blunden, der sich
panisch aus dem Fenster stürzte. Man fand ihn aufgespießt
auf den Gitterstäben vor dem Haus.
~*~
Es
ging das Gerücht um, "ein namenloses, schleimiges Ding, zu
schrecklich, um es zu beschreiben" gleite über die Stufen
und hinterlasse eine übel riechende Schleimspur, die der einer
Schnecke ähnelte.
In
The Grey Ghost Book von 1912 schrieb Jessie A. Middletone:
"Ich
entsinne mich, vor Jahren eine absonderliche Geschichte im Zusammenhang
mit diesem Haus gehört zu haben, bei der der Geist eines Kindes
in einer Schottenjacke die Hauptrolle spielte. Dieses arme Mädchen
soll wohl im dortigen Kinderzimmer von einem sadistischen Bediensteten
des Hauses geängstigt und/oder zu Tode gequält worden sein.
Immer wieder erschien dieser kleine verzweifelte Geist den Bewohnern,
schluchzend und händeringend, bis niemand mehr wagte das Haus zu
bewohnen."
Nach
der Jahrhundertwende hörte man kaum noch etwas von Spuk im Haus
Nr.50. Erst wieder 1969 berichtete eine angesehene Dame der Gesellschaft,
Mrs. Mary Balfour, einem Reporter von dem einzigen Geist, den sie jemals
gesehen hatte:
"Anfang
1937 war ich mit einer Angestellten in ein Haus in der Charles Street
gezogen, die an Berkeley Square angrenzt. Es war um Neujahr und ich
war sehr spät zu Hause angekommen. Sofort rief mich das Mädchen
in die Küche, von deren man direkt in die Rückfenster des
schräg gegenüberliegenden Hauses sehen kann. In einem der
Fenster sahen wir einen Mann in silberfarbener Jacke und Kniehosen mit
gepuderter Perücke, wie es eigentlich für das 18. Jahrhundert
üblich war. Unbeweglich und mit blassem Gesicht stand er da und
schaute traurig vor sich hin. Ich dachte, er sei vielleicht bei einem
Neujahrs-Kostümfest gewesen und leide jetzt an einem Kater oder
habe persönliche Probleme. Ich schalt das Mädchen, weil sie
den Mann so anstarrte. Erst später fand ich heraus, dass es sich
um das Haus Nr.50 gehandelt hatte."
Ein
weiterer noch zu erwähnender Vorfall ereignete sich im Nachbarhaus
von Nr.50. Ein Ehepaar, das dort eingezogen war, berichtete, dass als
sie von den früheren Ereignissen hörten, sehr beunruhigt waren.
Denn immer wieder berichtete die 8 jährige Tochter, deren Schlafzimmer
angrenzend an das Obergeschoss des heimgesuchten Hauses lag, dass sie
des Nachts erwachen würde und einen Mann am Fuße ihres Bettes
stehen sah.
Charles
G. Harper schrieb 1907 in seinem Buch "Haunted Houses": "Das
berühmte Spukhaus am Berkeley Square gehörte lange Zeit zu
den Sehenswürdigkeiten Londons, das sich kein Vetter vom Lande
entgehen ließ, wenn er zu Gast in der Stadt war."
Harpers Buch von 1907
Selbst 40 Jahre nachdem sich die Antiquare und Buchhändler in dem
Anwesen eingerichtet haben, bestätigt ein Sprecher von Maggs Bros.,
dass noch immer Unmengen an Anrufen von Touristen und Einheimischen
eingehen, die sich nach den Geistern des Hauses erkundigen möchten.
Leider konnte das Antiquariat bis zum Jahre 2001 nicht viel darüber
berichten:
"Das
so genannte Spukzimmer liegt gleich neben der Buchhaltung und kein einziger
der Angestellten hat dort je etwas Außergewöhnliches gesehen,
gehört oder gespürt."
Doch
an einem Samstagmorgen im Jahre 2001 arbeitete Julian Wilson in der
Buchhaltungsabteilung von Maggs Bros. im Obergeschoss. Plötzlich
huschte etwas Eigenartiges durch das Zimmer, das aussah wie brauner
Nebel und verschwand genauso schnell wieder wie er aufgetaucht war.
Im
selben Jahr berichtete eine Bedienstete, die das Obergeschoss für
eine Betriebsfeier vorbereitete, dass sie das Gefühl hatte, irgendwer
oder irgendetwas würde ihr über die Schulter starren und sie
beobachten - obwohl sie ganz alleine war. Während der Betriebsfeier
behauptete ein Gast, ein unsichtbares Etwas hätte ihm sein Glas
aus der Hand gerissen und zu Boden geworfen.
Seit
diesem Zeitpunkt befindet sich im Haus eine Notiz an der Wand, dass
das "Spukzimmer" nicht genutzt werden darf. Es wird auf diesem
Aushang als "unsicher" eingestuft. Des Weiteren besagt eine
neuere Firmenregel, dass niemals weniger als 2 Mitarbeiter gleichzeitig
im Haus sein dürfen, sollte einmal bis in die Nacht gearbeitet
werden. Beide Personen müssen dann das Gebäude gleichzeitig
verlassen.