Berkeley Square - Mögliche Erklärung



Das allgemeine Interesse, das sein öffentlicher Brief auslöste, veranlasste J.F. Meehan, Hochwürden C.F.S. Warren zu bitten, der Sache auf den Grund zu gehen. In Notes & Queries vom 19. Februar 1881 berichtete Warren, dass es ihm unmöglich sei, irgendeines der Details zu bestätigen, doch seien einige seiner Nachforschungen noch nicht beendet. Er schloss mit den Worten:

"Es bleibt also nur der allgemeine, doch allem Anschein nach unbegründete Glaube, es spuke in dem Haus, was freilich auf seinen heruntergekommenen Zustand zurückzuführen sein mag und die Gewohnheiten des melancholischen, einsamen Hypochonders …, der es eine Zeitlang bewohnte."



Westminster City Council

 

Dieser melancholische, einsame Hypochonder war ein gewisser Mr. Myers, der das Haus 1859 gemietet hatte. Zu dieser Zeit war er ein stadtbekannter, wohlhabender Mann, der sich kürzlich verlobt hatte und nun, da er auch bald heiraten wollte, das Haus renovierte und einrichtete.

Doch am Abend vor dem Hochzeitstag gab ihm seine Verlobte den Laufpass. Mr. Myers hatte diesen Schicksalsschlag niemals verkraftet und lebte fortan als trauernder Eigenbrödler sehr zurückgezogen. Jede Nacht schlich er auf der Suche nach einem Stelldichein mit seinem Leid durch das Haus. 1873 wurde Myers vom Westminster Council wegen unbezahlter Steuern verklagt. Ein zuständiger Finanzbeamter vermerkte in der Akte folgendes:

"Bei dem betreffenden Gebäude handelt es sich um ein Spukhaus, das bei den Nachbarn schon mancherlei Spekulationen auslöste"


Der genaue Zeitpunkt von Mr. Myers Ableben ist leider nicht bekannt. Einzig das Jahr 1878 ist sicher.
In diesem Jahr erschien auch ein Artikel in der Zeitschrift Pall Mall, der seine letzten Jahre so beschreibt:

"Die Enttäuschung soll ihm das Herz gebrochen und seinen Verstand verwirrt haben. Er wurde trübsinnig und lebte gänzlich zurückgezogen. Myers ließ keine Menschen mehr in seine Nähe. Vor allem Frauen mied er gänzlich. Allenfalls ein Diener durfte ihn sehen, während dieser ihm das Essen auf das Zimmer im Obergeschoss brachte, in dem er sich einschloss. Bei Tag pflegte er zu schlafen, erst nachts kam er aus dem selbsterschaffenen Gefängnis und geisterte mit einer Kerze in der Hand durch das Haus, das Schauplatz seines Glücks hätte sein sollen."


Pall Mall Magazine


Nachdem Mr. Myers verstarb, mietete das Haus ein gewisser Mr. Dupre. Dieser soll angeblich seinen geisteskranken Bruder in einem Zimmer oberhalb der Treppe eingesperrt haben. Aus Scham wurde das arme Geschöpf vor der Gesellschaft geheim gehalten. Gefüttert wurde er durch eine spezielle Öffnung in der Tür, die man extra hierfür anfertigte. Sein Ächzen und Schreien erklang nächtlich in der ganzen Strasse. Hinter diesem Schicksal vermutet man einen weißgesichtigen Geist mit aufgesperrtem Kiefer und entstelltem Corpus, der hin und wieder im Haus gesichtet wurde, unter anderem von Robert Martin und Edward Blunden.


Es liegt nahe zu vermuten, dass die Vernachlässigung des Hauses und diese Bewohner, Mr. Myers, den niemals jemand zu Gesicht bekam, und der geisteskranke Bruder Mr. Dupres, Auslöser der Spukgeschichten waren, die vor allem in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts kursierten. Ein Neffe von Mr. Myers war jedoch der festen Überzeugung, es gäbe tatsächlich einen Geist aus dem 18. Jahrhundert. Zu der Zeit wurde das Haus mit seinem wunderschönen Adamskamin erbaut. Diese Aussage würde sich auf jeden Fall mit der Schilderung von Mrs. Balfour decken und den unheimlichen Ruf des Hauses hinlänglich erklären.


Die spätere Behauptung, eine Geldfälscherbande würde die Räumlichkeiten nutzen und durch gezielte Erzeugung von Geräuschen von ihrem Treiben abzulenken, konnte bis dato nicht bestätigt werden und entzieht sich jeglicher Logik.

Hierzu berichtet ein Anwohner des Berkeley Square:

"Welcher Geldfälscher wäre so einfältig und würde durch solch eine Geschichte oder Treiben erst recht auf sich aufmerksam machen? Jeder Ganove dieses Geschäfts müsste wissen, wie wichtig Unauffälligkeit in dieser Branche ist. Da erregt man nicht noch unnötig Aufmerksamkeit durch das Erzeugen von unerklärlichen Geräuschen. Nur ein Narr würde solch eine Behauptung glauben."

Doch selbst wenn diese Erklärungsversuche in Frage kämen, wären sie nur ein Puzzlestück der unheimlichen und scheinbar unbeendeten Geschichte dieses heimgesuchten Hauses.

Von den Geschichten des Hauses inspiriert, schrieb Edward George Bulwer-Lytton (*1803, †1873) die klassische Geschichte "The Haunters and the Haunted or the House and the Brain" die 1859 veröffentlicht wurde.


Edward George Bulwer-Lytton


Wenn Sie London einmal besuchen, sollten Sie unbedingt Berkeley Square und das Antiquariat Maggs Bros. Ltd. besichtigen.



Berkeley Square im Jahr 2005

 

Wir wären sehr erfreut darüber, wenn Sie uns davon berichten. Auch wenn Sie bereits einmal dort waren, sollten Sie sich nicht scheuen, uns eine E-Mail mit Ihrer Geschichte dazu zu senden.

 

 


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