

Die
Lady Lovibond
Bei
diesem Geisterschiff handelt es sich wohl um eines der berühmtesten
entlang der britischen Küste. Die Lady Lovibond sank der Legende
nach an einem Freitag, den 13. im Jahre 1748 an der Küste von Goodwin
Sands. Der
Kapitän des Schiffes, ein Mann namens Simon Peel, hatte an diesem
Tag fünfzig Gäste auf eine kleine, private Kreuzfahrt eingeladen,
denn es stand ein frohes Ereignis bevor. Seine Hochzeit sollte gefeiert
werden und das, wie es sich für einen Kapitän gehört,
natürlich auf dem Meer.
Doch
etwas Dunkles überschattete den Tag:
Der Steuermann Rivers hatte ein Auge auf die hübsche Verlobte des
Kapitäns geworfen und war unsterblich verliebt in sie. Doch weder
Simon Peel noch seine Braut wussten etwas davon. Daher feierten sie
ausgelassen und völlig ahnungslos mit ihren Gästen unter Deck.
Doch
der Steuermann, der vor Neid und Eifersucht schon völlig zerfressen
war, schmiedete einen teuflischen Plan: Wenn er seine Angebetete nicht
bekommen konnte, dann auch kein Anderer!
Daher steuerte er die "Lady Lovibond" mit Absicht auf die
gefährlichen Klippen der Goodwin Küste zu - das Schiff zerschmetterte
an ihnen und kenterte. Niemand der sich auf diesem Schiff befand überlebte
das Unglück - alle kamen in den eisigen Fluten um...

Seit
diesem grausamen Ereignis soll das Schiff alle fünfzig Jahre zu
sehen sein...
Am
13. Februar im Jahre 1798 wurde die "Endenbridge" beinahe
von einem Dreimaster gerammt, der unbeeindruckt mit vollen Segeln auf
sie zusteuerte. Der Kapitän der "Endenbridge", James
Westkake, will vernommen haben, dass auf dem Schiff gerade eine Feier
stattfand, als es in letzter Sekunde nur haarscharf an ihm vorbei segelte.
Auch einige Fischer, die sich ganz in der Nähe befanden, sahen
das Schiff und hörten die Geräusche von feiernden Menschen
und konnten so Westkakes Aussage bestätigen.
Die
Identität des unheimlichen Schiffes blieb allerdings ungeklärt.
Auf
den Tag genau, fünfzig Jahre Später, also anno 1848, beobachteten
einige Fischer, wie ein Schiff an den Goodwins zerschellte. Sie eilten
prompt zur Rettung herbei, aber als sie die Unglücksstelle erreichten,
war von dem Schiff keine Spur mehr zu sehen. Genau das gleiche Ereignis
wiederholte sich auch im Jahre 1898. Merkwürdigerweise gab es fünfzig
Jahre später keine Sichtung - oder war vielleicht nur niemand zur
Stelle, um etwas zu sehen?
In
einem Artikel aus dem Jahre 1998 kommt der damals 53-jährige Skipper
eines Fischerbootes zu Wort. Sein Name lautet David Chamberlain; er
fischt schon seit 30 Jahren in den Gewässern der Goodwin Sands.
Er redete an diesem Tag wahrscheinlich so über das Phantomschiff,
wie nie zuvor:
"Auf
den Spuren des Phantomschiffes der "Lady Lovibond"".
Goodwin Sands, 13. Februar 1998
"Es
ist ein wirklich unheimliches Gefühl. Es ist so...einsam."
Sagt Chamberlain. "Man beginnt die verschiedensten Dinge zu sehen."

Von
dem Geisterschiff "Lady Lovibond" behauptet man, dass sie
alle 50 Jahre im Nebel erscheint.
Nur drei Meilen von hier, auf hoher See, soll sich der Legende zufolge
der Dreimaster bei vollem Segel materialisieren, bevor er sich in einer
bizarren, selbstmörderischen Wendung auflöst - wie ein Schatten.
Von
Deal bis nach Dover hat die bevorstehende Erscheinung des Geisterschiffes
für eine sehr große Aufregung gesorgt. Für den heutigen
Tag ist zwar Nebel vorausgesagt worden, aber das hält manche Menschen
trotzdem nicht ab, bereits Nachtwachen am Strand zu planen. Es wurden
sogar schon spezielle Pfade entlang der weißen Klippen eingerichtet,
um das Schiff besser entdecken zu können.
Am
Pier wurde ein Schild angebracht, auf dem zu lesen ist:
"Komm und überzeuge Dich von der Erscheinung! Nichts für
Zimperliche!"
Das
Interesse an dem Phänomen ist ziemlich groß und scheint sich
zu lohnen, denn David Chamberlain bietet heute seine Dienste für
ein Entgelt als "Chauffeur" an, anstatt zu fischen.
Er sagt: "Wir folgen dem Kurs, den die Lady Lovibond laut Legende
auch genommen haben soll und dann fahren wir anschließend zu den
Klippen, an denen sie zerschellte. Die Leute reißen mich einfach
mit ihrer Begeisterung für dieses Geisterschiff mit. Außerdem
bekommt man ja nicht alle Tage die Chance, ein "waschechtes"
Geisterschiff zu Gesicht zu bekommen und im Jahre 2048 werde ich wohl
kaum mehr dabei sein können!"

Goodwin
Sands
Aber
wir trafen auch Leute, die dem ganzen Rummel und der Legende um die
"Lady Lovibond" eher skeptisch gegenüber stehen. Terry
Williams, der Museumsdirektor von Deal, sagt: "Die Besucher haben
doch alle einen an der Pfanne. Es gibt keine Beweise für die Echtheit
der Legende. Wenn es dieses Schiff wirklich gegeben hat, müsste
es am 2. Februar untergegangen sein, und nicht am 13. Denn die Schaltjahre
haben sich beim Wechsel zum Gregorianischen Kalender um ganze 11 Tage
verschoben!"
Die
Meinung des Museumsdirektors konnte die begeisterte Stimmung der Besucher
jedoch kein Stück dämpfen. David Chamberlain erwähnte
im Nachhinein, dass er auf der Jagd nach der "Lady Lovibond"
ein Kribbeln verspürt habe. Er, sein Fischerkollege und bestimmt
viele andere Menschen auch, würden die alte Geschichte um die "Lady
Lovibond" niemals als einen reinen Mythos abstempeln.

©
2007 / Scully - www.geisternet.com