Das Winchester-Mystery-House

Aberglaube oder Wahnsinn

Sarah war davon überzeugt, dass sie weiterbauen müsse, um ihr Leben nicht zu lassen. Ihr war es nicht vergönnt, ihren eigenen Seelenfrieden zu finden, indem sie sich in ihr gemütliches Heim zurückziehen konnte. Nein, sie selbst war ihre eigene Richterin und verurteilte sich selbst zu lebenslanger Zwangsarbeit im eigenen Haus. Sie war davon überzeugt, je verrückter ihr Stil beim Bau ist, umso verwirrter werden die Geister sein und sich im Inneren des Hauses verirren. Alles erfüllte seinen Sinn und Zweck, solange gewährleistet war, dass Sarah von den bösen Geistern nicht gefunden wurde.

So wunderte es also niemanden mehr, wenn man auf Treppen oder Türen stieß die eigentlich nirgendwo hinführten.


Das Winchester-Mystery-House

Das Winchester-Mystery-House


Ihre Bauwut und ihr exzentrischer Stil kannten keine Grenzen. So findet man im Winchester Mystery House Türen, die so niedrig sind, dass man sich Bücken muss, um durch sie hindurch zu gehen. Oder einige Türen, die so schmal sind, dass man sie nur seitlich betreten kann. Auch gibt es Türen, die es zulassen, dass man einen Raum betreten, aber nicht auf dem gleichen Wege verlassen kann. Es gibt dort Türen, hinter denen sich das Mauerwerk befindet oder aber auch Schranktüren, die zum nächsten Zimmer führen. Ebenso gibt es eine Treppe, die sieben Stufen hinab führt um dann wiederum elf Stufen hinauf zu führen.

Sarah hatte sich sogar einen eigenen Glockenturm erbauen lassen, damit auf jeden Fall gesichert war, dass die Geister erst um die Mitternachtsstunden zum Einsatz kamen. Hierzu ließ sie eigens ihre Glocke von einer auserwählten Person läuten! Dieser Angestellte hatte es nun wahrlich nicht einfach. Damit gesichert ist, dass auch nur er diese Glocke läuten kann, wurde ein Labyrinth im Keller angelegt, dessen Weg nur dieser Angestellte kannte. Doch bevor er die Glocke läutete, musste er auch sicher sein, dass es exakt 0 Uhr ist. Dazu diente ihm ein Chronometer und selbstverständlich musste er überprüfen, dass dieser auch die richtige Uhrzeit anzeigte. Dies tat er, indem er beim Observatorium anrief und sich die Zeit bestätigen ließ! Erst dann läutete er zwölf Mal die Glocke und die gleiche Prozedur wiederholte er um zwei Uhr morgens.


Das Winchester-Mystery-House


Sarah hatte sogar ihren eigenen Seance Raum. Diesen Raum konnte Sarah nur durch einen Wandschrank betreten. Allabendlich unterhielt Sarah eine Seance, um sicher zu gehen, dass die "guten" Geister zufrieden sind und um sich Rat zu holen, was sie tun kann, damit sie sich die "bösen" Geister vom Leibe halten kann.

Im ganzen Anwesen selbst existieren auch nur zwei Spiegel - einer davon befindet sich in einem der dreizehn Badezimmer und eines im Ballsaal. Der Spiegel im Ballsaal wurde allerdings mit der Spiegelfläche zur Wand hin angebracht, sodass keine Wesenheit in die Verlegenheit kam, in den Spiegel zu schauen. Sarah war überzeugt davon, dass Wesenheiten die Spiegel wie Türen nutzen würden und eben auch auf diesem Wege wieder verschwinden.

Sarah hatte in all ihren Arbeiten, die sie am Hause vollziehen ließ, immer einen exquisiten Geschmack. Es war selbstverständlich, dass sie ausschließlich buntes Tiffany Glas, Kristall und Felsquarz verbauen lies. Die Wände wurden mit französischer Tapete ausgekleidet und das Holz war ebenso edel, wie der Rest der Ausstattung. Sie ließ sogar afrikanisches Mahagoni, Teak und Rosenholz einbauen.


Das Winchester-Mystery-House

 

Jede Nacht schlief Sarah in einem anderen ihrer unzähligen Schlafzimmer. Aber nicht nur das, bevor sie sich aufmachte ins Bett zu gehen, lief sie erst ewig durch das Haus, um die bösen Geister weiterhin zu foppen. Sie wollte sicher gehen, dass keine Wesenheit sie in ihrem Schlafgemach findet.


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© 2006 / Nicky - www.geisternet.com


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