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Mordende Steine

Robert Standfort und seine Frau Mary suchten sehr lange nach einem Haus ihrer Träume bevor sie es fanden.
Es war ein malerisches Cottage in Flussnähe am Rande eines sehr dicht bewachsenen Waldes.
Im Frühjahr 1901 zogen die Standforts von London in das neue Haus nahe Ashbourne im einsam gelegenen
Peak District. Das einzige Bauwerk in der Nähe war eine alte verwucherte Kirche.

Das Gelände auf denen das neue Haus der Standforts stand, gehörte zu einem alten Landgut, das vor geraumer Zeit
einmal im Besitz zweier Brüder gewesen war. Beide hatten zu Lebzeiten soviel Ärger mit dem Gesetz gehabt, dass ihre Verwandten nach dessen Tod nur schwer ein christliches Begräbnis erwirken konnten. Man hatte die beiden auf dem
Friedhof der alten Kirche vergraben und ihnen ein Grabmal errichtet, welches mit zwei Marmorplatten abschloss und auf denen Plastiken ihrer beiden nebeneinander ruhender Körper zeigte.

Nach einer dort kursierenden Legende, über die sich die Standforts als aufgeklärte Stadtmenschen amüsierten, verließen
die Steinfiguren jedes Jahr zu Allerseelen ihre Platten, um den Ort ihrer früheren Missetaten aufzusuchen.
Die Stelle wo jetzt ihr neues Häuschen stand.

An einem Nachmittag im Herbst 1901 entschloss sich Robert Standfort, kurz vor Einbruch der Dämmerung noch einen Spaziergang zu unternehmen. Seine Frau blieb aufgrund Abgespanntheit zu Hause. Standfort nahm den Pfad, der durch
den Kirchhof der alten Kirche führte. Er blieb verdutzt stehen und blickte auf das Grab der Brüder. Es hob sich deutlich
gegen den dunklen Himmel ab. Alle Details waren zu erkennen. Es gab keinen Zweifel, die Marmorplatten waren leer. Die Steinfiguren waren verschwunden.

Als erstes dachte Standfort an einen Scherz der Einheimischen. Aber er hielt es für undenkbar, dass jemand die massiven und schweren Steinfiguren ohne technische Hilfe anheben und hätte entfernen können. Verwirrt und verängstigt beschloss
er umzukehren. Auf halbem Wege jedoch hielt er an und versuchte das gerade Erlebte zu erklären und kehrte zu dem Grab zurück. Er zündete ein Streichholz an und erkannte, dass die beiden Figuren immer noch auf der Platte vorhanden waren
und er sich wohl geirrt hatte. Er betrachtet die Figuren genau, konnte jedoch nichts entdecken,
was auf eine Veränderung der Lage hindeutete. Nur fehlten an einer Figur zwei Finger der rechten Hand.

Es war fast dunkel als er das Haus erreichte. Beim Näherkommen stieß er wie immer einen Pfiff aus, um seine Rückkehr anzukündigen. Doch diesmal antwortet ihm niemand. Auch waren die Fenster unbeleuchtet. Standfort spürte, dass etwas nicht stimmte. Er rief den Namen seiner Frau und riss die Haustür auf. Ihn überfiel eine ungewöhnliche, bedrückende Stille. Seine Streichhölzer hatte er am Grab alle verbraucht und so musste er schnell neue suchen. Er geriet immer mehr in Panik, da seine Frau nicht antwortete und die Dunkelheit der Nacht sich über dem Haus ausbreitete. Er fand eine Petroleumlampe sowie einige Streichhölzer. Der Anblick der sich ihm bot, verschlug ihm fast den Atem. Das Wohnzimmer sah aus, als hätte eine Explosion darin stattgefunden. Der massive Steinfußboden war demoliert, als hätte jemand ihn mit einem schweren Hammer bearbeitet. Die Wände waren voller Risse und der schwere Tisch lag mit zersplitterter Platte verkehrt auf dem Boden. Er entdeckte schließlich den leblosen Körper seiner Frau. Sie lag erdrosselt am Boden.

Erschüttert und dem Ende nahe, rannte er in den nächsten wenige Meilen entfernten Ort, um Hilfe zu holen. Schon bald darauf schwärmten die Polizisten und Bewohner des Ortes aus, um nach dem Mörder zu suchen. Doch dieser schien sich in Luft aufgelöst zu haben und wurde niemals gefunden. Am Tag des Begräbnisses saß Robert im Haus neben der Leiche
seiner Frau. Ihm ging die Legende von den wandernden Steinen durch den Kopf.
Welche Kräfte konnten dieses Haus so zugerichtet haben?
War es das Werk des Wahnsinns oder einer Kraft jenseits unserer Vorstellungskraft?
Er betrachtete die tiefen Risse und Löcher.

Zum letzten Mal hielt er die zarten Hände seiner Frau. Ihre rechte Hand war immer noch zusammengepresst. Als er ihre verkrampften Finger behutsam öffnete, fiel ein Stück weißen Steins zu Boden. Robert hob ihn auf. Es waren zwei in Stein gemeißelte Finger.


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