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Burg Lahneck

In Lahnstein an Rhein und Lahn gegenüber von Schloss Stolzenfels steht die Burg Lahneck. Gelegen an einem steil hervorspringenden Felsen an der Lahnmündung weist sie im Grundriss ein längliches Rechteck auf, welches für die Burgen der späten Stauferzeit üblich ist. Der fünfeckige Grundriss des Bergfried jedoch ist im Burgbau sehr selten.

Um die Burg ranken sich viele geheimnisvolle Sagen und Legenden.
Angeblich sollen sich sogar auf ihr die letzten Tempelritter tapfer gegen die königlichen Truppen verteidigt haben.

Die älteste Geschichte dürfte wohl die der Geisterkrieger sein.
Zu jener Zeit sollte ein junger Mann, der in seiner Jugend durch eine Ohrfeige Gehör und Stimme verloren hatte, auf der Burg ein Eulennest ausheben. Wie ihm aufgetragen, führte der Bursche seine Arbeit aus, was bis spät in die Nacht dauern sollte. Endlich vollbracht und müde, wollte er sich auf den Heimweg machen. Doch sah er, dass in der Burgkapelle noch Licht brannte. Neugierig über die ungewohnte Situation begab er sich in die Ulrichkapelle. Kreidebleich und starr vor Angst erblickte er eine große Schar Krieger in altertümlicher Tracht. Alle standen aufgeregt um einen Tisch an dem sie würfelten und Karten spielten. Es wurde gezecht, geschrien, getrunken und mit riesigen Bechern zugeprostet. Einer der Spieler bemerkte den Burschen und lud ihn zum Mitspielen ein. Doch der junge Mann stand noch immer wie gelähmt in der Tür. Die Krieger gaben ihm zu verstehen, dass er gerade vor einem vergrabenen Schatz stehe.

Mit einem Schlag war der Spuk vorbei und eine unheimliche Dunkelheit und Stille breitete sich in der nun leeren Kapelle aus. Der Taubstumme ergriff die Flucht und betrat Lahneck niemals wieder.

Die Burg soll ebenso eine weiße Frau beherbergen. Diese wird von Zeit zu Zeit gesehen, wie sie vom höchsten Punkt der Burg mit einem weißen Schleier oder Tuch weht. Grund der Erscheinung könnten zwei Vorkommnisse in Zusammenhang mit der Burg sein.

Ersteres berichtet von einem damaligen Ritterfräulein. Sie war verliebt in einen Ritter der ihr auch sehr zugewandt war. Leider wurde sie zuvor von ihrem strengen Vater an einen anderen Mann versprochen. Als der Vater hinter die Liebschaft zu dem jungen Ritter kam, verbot er diese unter Androhung heftigster Strafe für das Fräulein. Doch die Liebenden ließen sich nicht entzweien und trafen sich nun heimlich wann immer der Vater die Burg verließ. Man vereinbarte, dass das Burgfräulein von der höchsten Zinne des Bergfrieds mit einem weißen Schleier wehen sollte, wann immer ein Treffen möglich war. Der junge Ritter, der auf der anderen Seite der Lahn wohnte und den Turm von dort aus gut sehen konnte, sattelte dann geschwind sein Pferd und durchquerte den Fluss.

All dies funktionierte wunderbar bis zu einem Tage im Herbst. An diesem verließ der Vater die Burg, um mit dem Schiff zum damaligen Coblenz zu fahren. Wie vereinbart wehte das Fräulein mit dem Tuch nach ihrem Ritter der sich sogleich auf den Weg machte. Doch diesmal trug die Lahn Hochwasser durch heftige Regenfälle, die sich Tage zuvor über das Land ergossen. Beim Überqueren der Lahn verlor das Pferd den Halt in der starken Strömung. Das Tier und der verliebte Ritter mussten elendig in den reißenden Fluten des Flusses ertrinken. Das verliebte Fräulein bekam von alledem nichts mit und wehte den Schleier bis zum späten Abend. Deprimiert begab sie sich zu Bett um es am nächsten Tag wieder zu probieren. Aber auch an diesem blieb der Ritter fern. Nun war sie sehr beunruhigt. Am dritten Tage erreichte sie die Nachricht was passiert war. Geschockt und todunglücklich über den Verlust ihres Geliebten, stieg sie auf den höchsten Turm Lahnecks und stürzte sich in die Tiefe. Und vielleicht winkt der ruhelose Geist des Fräuleins noch heute nach ihrem Ritter.

Das zweite Vorkommnis dreht sich um die populäre und strittige Geschichte um Idilia Dubb. Diese Legende bewegt seit langem die Gemüter von Befürwortern und Skeptikern. Beinahe könnte sie Stoff eines schauerlichen Romans sein.

Man schreibt das Jahr 1851. Das schottische Kaufmannsehepaar Dubb unternimmt mit ihren drei Kindern eine Schiffsreise auf dem Rhein. Die mit 17 Jahren älteste Tochter der Familie, Idilia, war die meiste Zeit sich selbst überlassen, da ihre Eltern mit einer Ehekrise zu kämpfen hatten. So lernte sie Christian Bach, einen deutschen Kaufmann kennen, in den sie sich verliebte. Im Laufe der frischen Liebe durchleben beide aufregende Situationen. Zuletzt einen romantischen Abend auf dem Turm der Burg Lahneck, bevor Christian Bach anschließend für ein paar Tage geschäftlich vereisen muss. Idilia vermisst ihren Christian sehr nach dessen Abreise und beschließt den Turm nochmals zu besuchen, um ihren Erinnerungen frischen Wind zu verleihen. Schon früh am Morgen verlässt sie heimlich den Gasthof, in dem die Familie untergebracht ist. Als leidenschaftliche Hobbymalerin alle Utensilien im Gepäck, um das atemberaubende Panorama einzufangen, welches die Aussicht des Turmes bietet. Dort angekommen erklimmt sie die morschen Stufen des Turmes. Auf den letzten angekommen, bricht unter ihr das mürbe Holz und reißt die gesamte Treppe in die Tiefe des 20 Meter hohen Turms. Idilia kann sich und ihr Gepäck mit letzter Kraft auf den Turm retten. Verzweifelt versucht sie alles, um auf die Notlage, in die sie geraten war, aufmerksam zu machen. Vier Tage schreit sie um Hilfe, wirft Skizzenblätter vom Turm und winkt vorbeifahrenden Schiffen auf dem Rhein zu. Doch niemand hört sie oder liest die hinab geworfenen Skizzenblätter. Lediglich Gäste der vorbeifahrenden Schiffe bemerken sie, halten sie aber für einen Besucher der Burg, der ihnen aus Spaß zuwinkt und winken zurück. Sogar aus ihrem Kleid versucht sie ein Seil zu drehen, um sich daran vom Turm herabzulassen. Dies scheitert an der viel zu knappen Länge des Kleides.  Die Situation ist aussichtslos. Alles was Idilia bleibt sind ihre Malutensilien und ihr Tagebuch.

Das Verschwinden der jungen Dubb beschäftigt währenddessen bereits die Behörden und die lokale Presse. Durch einen fatalen Irrtum aber sucht niemand auf der Burg Lahneck nach ihr. Man ist sogar der irrtümlichen Meinung, die Treppe zum Turm sei schon Jahre zuvor eingestürzt.

Selbst in den letzten Stunden ihres Lebens führt Idilia ihr Tagebuch weiter. Doch werden die Einträge zusehends unleserlicher. Der letzte Eintrag den sie ins Tagebuch schreibt lautet: „Vater im Himmel, sei meiner Seele gnädig!“
Danach versteckt sie es in einem kleinen Spalt in der Mauer und stirbt entkräftet.

Nachdem die Behörden die Suche nach dem Mädchen aufgeben, reist die Familie Dubb gebrochenen Herzens zurück nach Schottland.

Neun Jahre nach dem Unglück finden die neuen Besitzer der Burg bei Restaurierungsarbeiten menschliche Gebeine und das Tagebuch in denen Idilia sehr detailliert Aufschluss über ihre letzten Tage erteilt. Die Dubbs reisen zu einem Trauergottesdienst wieder nach Deutschland. Dort erscheint auch Christian Bach. Dieser berichtet, dass er sich - nachdem er von seiner damaligen Geschäftsreise zurückgekehrt war - an der suche nach Idilia beteiligt hatte.

Bach war sogar auf Burg Lahneck und entdeckte die eingestürzte Treppe. Er kletterte über die umher liegenden Trümmer und an der inneren Mauer den Turm hinauf. Oben angekommen erblickte er Idilias Leiche und stürzte vor Schreck ab. Verletzt schleppte er sich nach Hause und schwieg über seinen grausigen Fund.

Die Geschichte der jungen Schottin erhitzt aufgrund einiger Unstimmigkeiten heute noch die Gemüter. Auf der Burg Lahneck kann man heute noch zwei Zeitungsberichte aus dem Jahre 1863 zum Unglücksfall und Verschwinden des Mädchens besichtigen. Sie galten lange Zeit als unumstößlicher Beweis für den Wahrheitsgehalt der Geschichte. Kritiker bemängeln diesen Beweis aber. Immerhin sind die Berichte erst drei Jahre nach dem Leichenfund erschienen. Des Weiteren konnten keine weiteren Pressemeldungen ausfindig gemacht werden. Man vermutet daher einen PR-Gag hinter der Angelegenheit, dessen Sinn bis heute ungeklärt ist.

Auch das Tagebuch enthält eine Menge unstimmiger oder falscher Angaben. Zu diesen gehören Landschaftsschilderungen, Angaben über Entfernungen und eine Beschreibung einer Eisenbahnlinie nebst baulicher Beschreibung, die zu Idilias Zeit noch nicht existierte.

Aber gerade das Tagebuch spricht auch für den Wahrheitsgehalt der Geschichte. Dazu gehören Namen eher unbedeutender Nebenpersonen, die dennoch eine Rolle im Fall spielten. Zu ihnen zählen der hiesige Pfarrer, der Bürgermeister und ein Fährmann. Auch die genaue Beschreibung einiger Gasthäuser der Region zählen zu den erstaunlich genauen Fakten. Diese wären für einen Fälscher fast zehn Jahre nach dem Unglück nur schwer rekonstruierbar gewesen.


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