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Die Vampirprinzessin

Im Jahr 2007 findet ein Archäologenteam aus Prag in der böhmischen Stadt Krumau auf dem Friedhof Český Krumlov drei Skelette, was einer archäologischen Sensation gilt. Sie sind nicht wie im christlichen Raum üblich in Ost-West-Achse, sondern in einer Süd-West-Achse bestattet. Die Hände der Skelette sind mit einem Rosenkranz gefesselt, Arme und Beine sind mit Steinen beschwert. Einem Skelett wurde der Kopf abgetrennt und zwischen die Beine gelegt, seine beiden ersten Halswirbel fehlen, ein Stein liegt in seiner Mundhöhle. Eines der Opfer wurde nachweislich durch das Herz gepfählt. Handelte es sich hier vielleicht um ein Ritual einer Enthauptung, um einen Vampir daran zu hindern, aus seinem Grab zurückzukehren? Die abschließende gerichtsmedizinische Untersuchung bringt hervor, dass die drei nach den Regeln der "Magia Posthuma", einem klassischen Vampirritual aus dem 18. Jahrhundert, bestattet wurden. Die mysteriösen Gräber liegen heute zwar innerhalb des Stadtgebietes von Böhmisch Krumau an einer Moldaubiegung, zur Zeit der Beisetzung befanden sich die Gräber allerdings außerhalb der Stadt. Erstmals gelang der geschichtliche und archäologische Nachweis, dass die Vampirerzählungen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf tatsächlichen Ereignissen beruhen. In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts waren viele Regionen Europas von der Angst vor Vampiren befallen. Es bestand für die Menschen kein Zweifel daran, dass diese Leichen in der Nacht ihre Gräber verließen, um die Dorfbewohner anzufallen und ihr Blut auszusaugen. Vampire machte man – wie in früheren Jahrhunderten die Hexen – für alle möglichen Krankheiten verantwortlich. Zu dieser Zeit wüteten die Pocken besonders heftig in Böhmen. Erst seit dieser Zeit ist das Wort "Vampir" in der deutschen Sprache nachweisbar.

Weit verbreitet war hier auch der Glaube, dass die gefährlichsten Vampire meistens adeliger Abstammung waren. Der Gräberfund in Tschechien führt aus diesem Grund interessanterweise auf die Spur einer böhmischen Prinzessin, die man zu Lebzeiten des Vampirismus verdächtigte. Zu jener Zeit herrschte in Krumau die Fürstin Eleonore Amalie von Schwarzenberg. In den unterirdischen Gängen des Schloss-Archivs lagern unzählige Dokumente, die fast jeden Tag bis in die heutige Gegenwart dokumentieren. Fürstin Eleonore Amalie von Schwarzenberg, geboren 20. Juni 1682, als eine gebürtige Lobkowitz und Prinzessin aus Baden bei Wien, heiratete im Jahre 1701 Fürst Adam Franz von Schwarzenberg. Das Fürstenehepaar ließ das Schloss in barockem Stil umbauen und erweitern. Die Fürstin, die eine Neigung zum Okkultismus zeigte, soll auf ihre Umgebung sehr unheimlich gewirkt haben. Sie litt unter Schlaflosigkeit und dadurch bedingt tagsüber unter starker Müdigkeit. Anhand von Aufzeichnungen aus dem Archiv im Schloss Český Krumlov wird beschrieben, dass sie über Jahre hinweg Milch von Wölfen getrunken habe, um endlich einen Sohn zu gebären, der das Erbe des Hauses Schwarzenberg antreten würde. Eleonore war eine leidenschaftliche Jägerin und übertraf hierbei sogar ihren Mann. Sie veranstaltete regelmäßig riesige Treibjagden, bei denen lediglich Wölfe verschont werden sollten. Um an die Milch der Wölfinnen zu gelangen, ließ die Fürstin vor dem Schloss Zwinger errichten. Beim Melken war das Heulen der Tiere vermutlich weit über den Ort hinaus zu hören. Von dem Ruf angelockt, näherten sich sogar wild lebende Wölfe. Die Bevölkerung erschreckte dieses sehr, galten Wölfe doch als mit dem Satan im Bunde oder als Gehilfen von Vampiren. Es existiert ein übermaltes Gemälde der Fürstin – auf dem sie mit ihrem Sohn abgebildet ist – von dem allerdings vermutet wird, dass sie in der ursprünglichen Version mit einem Wolf abgebildet wurde.
 


Fürstin Eleonore abgebildet mit ihrem Sohn bzw. mit einem Wolf

Tatsächlich gebar Eleonore im Jahr 1722 mit 42 Jahren einen Sohn, Josef Adam von Schwarzenberg. Dieses führte sofort zu Gerüchten. In dieser Zeit hielt man so etwas schnell für Hexerei. So wurde Eleonore vom gemeinen Volk ein Bündnis mit dunklen Mächten nachgesagt. Nachdem ihr Gatte Adam Franz von Schwarzenberg bei einem Jagdunfall im Jahr 1732 von Kaiser Karl VI. erschossen wurde, kam ihr Sohn in die Obhut des Kaisers nach Wien, welcher der Witwe einen fürstlichen Unterhalt von jährlich 5.000 Gulden zahlte. Eleonore lebte von nun an alleine auf dem Schloss, aber sie gab das Geld mit vollen Händen aus – vor allem für Arzneimittel. Dabei suchte sie nicht nur Hilfe bei Ärzten, sondern offenbar auch in Zauberritualen. Auf Schloss Krumau befindet sich noch heute eine so genannte "Zauberrolle", ein Papierstreifen, auf dem sich Zeichen und Sprüche zur Abwehr von Geistern befinden. Die Zeichen wurden abgemalt und an den Orten angebracht, an denen man glaubte, besonderen Schutz zu brauchen. Zum Beispiel versuchte man sich mit einem solchen Schutzzauber bei medizinischen Behandlungen zusätzlich abzusichern. Darüber hinaus gab es regelmäßig spiritistische Sitzungen auf dem Schloss, mit denen die bösen Kräfte fortgejagt werden sollten. Gerüchte, sie hätte versucht ihren früh verstorbenen Mann von den Toten zurückzuholen, gingen in Volk und Palast umher. Eleonores körperlicher Zustand verschlechterte sich während der folgenden Jahre auf Schloss Krumau massiv. Ständig gingen Ärzte im Schloss ein und aus, darunter einige der bekanntesten Ärzte ihrer Zeit. Am häufigsten wurde ihr der "Aderlass" verordnet. Er sollte reinigend wirken und böse Säfte aus dem Körper vertreiben. Leider war diese Maßnahme in ihrem Fall nicht sehr wirksam und schwächte die Patientin nur noch zusätzlich.

Eleonore verlangte oftmals nach Dr. Franz von Gerstorff, dem Leibarzt von Kaiser Karl VI. und Leiter zahlreicher Untersuchungskommissionen für Vampir-Erscheinungen. Von Gerstorff war, wie viele Ärzte seiner Zeit, überzeugt von der Ansteckungsmöglichkeit durch Vampire. Eleonore bot genau jenes Beispiel dafür, das man damals der Vampirkrankheit zuordnete: ausgezehrt, blutleer und verwirrt. Die Ärzte des frühen 18. Jahrhunderts bewegten sich in einer Grauzone zwischen Wissenschaft, Aberglauben und Magie, obwohl sie bereits fundierte Kenntnisse besaßen. In den Archiven findet sich allerdings keine Diagnose über Eleonores Erkrankung. Gingen die Ärzte vielleicht von einer Krankheit aus, die sich wissenschaftlich nicht beschreiben ließ? Bereits jetzt gingen in der Bevölkerung Gerüchte über die so genannte "Vampirprinzessin" um. Das Volk fürchtete sich vor der untoten Adeligen, und begann erste Schutzmaßnahmen einzuführen, aus Angst, man könnte selber zu einem Vampir werden. Auf den Rat ihrer Ärzte bestellte Eleonore zahlreiche wundersame Medikamente aus Apotheken wie Krebsaugen, Walrat und sogar geriebenes Einhorn. Eleonore schien an starken Schmerzen gelitten zu haben, jedoch keiner ihrer Ärzte wusste ihr zu helfen. Allein die Bestellungsliste für den 30. April 1739 weist über 60 Präparate aus. Der 30. April, Walpurgisnacht, die Nacht der Hexen und Geister. Wollte Eleonore ein bestimmtes Ritual abhalten in dieser Nacht, oder hatte sie vor etwas bestimmtem Angst? In der Nacht schienen immer öfter Lichter durch die Fenster von Eleonores Schlafzimmer. Gerüchte von der Fürstin, die nur in der Nacht lebt, machten wieder im Ort die Runde. Schließlich begab sich Eleonore in den letzten Tagen, da sie wusste ihr Tod war nahe, nach Wien.

Am 5. Mai 1741 um 6:00 Uhr früh schließlich stirbt Eleonore in der Schwarzenbergischen Residenz in Wien. Doch nach ihrem Tod geschah etwas äußerst Ungewöhnliches für eine Person ihres Standes. Bereits neun Stunden nach Eleonores Tod treten die besten Ärzte des Reichs zusammen, um den Leichnam zu untersuchen. Der Leib der Fürstin wird geöffnet und es wird festgestellt, dass er samt der Gliedmaßen tatsächlich völlig ausgezehrt ist. Unterhalb des Darms wird eine Geschwulst festgestellt, welche die Größe eines mittleren Kinderkopfes hat. Die Kosten der Obduktion betrug stattliche 3.000 Gulden, was in der heutigen Zeit etwa 90.000 Euro entspricht. Adelige wurden zur damaligen Zeit nicht obduziert. Es besteht die Vermutung, dieses eher ungewöhnliche Vorgehen könne auch eine Art der Vampir-Hinrichtung gewesen sein, da das Entfernen des Herzens einer Pfählung gleichkomme. Außerdem steht das Ärzte-Honorar für die Obduktion nicht in Relation zum Arbeitsaufwand. Entweder war das Honorar so hoch, weil hier eine große Gefahr für die Ärzte bestanden hat, zum Beispiel die Angst vor einer Infektion, oder aber das Honorar war so hoch, weil hier eine Art Schweigegeld gezahlt wurde. Was in dem Obduktionsbericht aber fehlt, ist die Todesursache. Weshalb kamen die Ärzte zu keinem Ergebnis? Im Verlauf ihrer Krankheit stand Eleonore praktisch ununterbrochen unter ärztlicher Aufsicht.
 


Was war Eleonores Todesursache?

Üblicherweise wurden die Schwarzenbergs in jener Zeit in der familieneigenen Gruft in der Wiener Augustinerkirche beigesetzt. Pater Albin Scheuch ist heute der Archivar Herr über die Totenbücher der Gruft, die exakt darüber Auskunft geben, wer unter der schweren Gruftplatte ruht. Auch die sterblichen Überreste von Eleonores Gatten Adam Franz befinden sich hier. Im Totenbuch der Gruft sind 14 Namen aufgeführt. Es fällt auf, dass eine Schwarzenberg, nämlich Eleonore Amalie Magdalena zwar erwähnt wird, aber nicht hier beigesetzt ist. Es wird erwähnt, dass sie in Böhmen auf eigenen Wunsch hin beigesetzt wurde. Allerdings soll lediglich ihr Herz in die Kirchenwände eingemauert worden sein. Der Rest ihrer sterblichen Überreste sei außerhalb der Kirche verscharrt worden. In der Chronik gibt es auch einen Hinweis, der im Normalfall nicht in einer Klosterchronik erwähnt wird: über eine halbe Seite widmet der damalige Archivar dem Tod der Eleonore Schwarzenberg, dass sie am 5. Mai verstorben ist und auf eigenem Wunsch noch in der Nacht nach Böhmen geführt wurde, um dort beigesetzt zu werden. Die Überführung des Leichnams von Wien nach Krumau ist in einem Testament verfügt, das erst wenige Tage vor Eleonores Tod verfasst wurde.

"...ZWEYTENS: solle mein Leichnam, ich mag in Wien, oder andernorts das Zeitliche verlassen, nach Krumau geführet, dort von armen Leuten in die St. Nepomuc Kapelle getragen, und allda ohne einzigen Gepränge beerdiget werden, und auf den Grabstein folgende Wörter stehen: Hier liegt die arme Sünderin Eleonora, Bittet für Sie..."

Warum transportierte man einen Leichnam mitten in der Nacht Hunderte von Kilometern vom Sterbeort weg? Vermutet wird, dass Eleonore Angst hatte, selber zum Vampir zu werden und so ganz Wien hätte infizieren können. Das Begräbnis in Krumau verlief deutlich anders als es im Hochadel damals üblich war. Zwar wurden im ganzen Land Hunderte von Totenmessen für Eleonore gehalten, aber zu ihrem Begräbnis kam kein einziger Vertreter des hohen Adels. Sogar der Platz ganz vorne in der Schlosskapelle blieb leer. Er war für Eleonores Sohn, Joseph Adam Schwarzenberg, bestimmt. Doch selbst er blieb den Trauerfeierlichkeiten fern. Die eigentliche Beisetzung fand am 10. Mai in der St. Veits Kirche in Krumau statt. Eleonore wurde seltsamerweise in der Nacht beerdigt. Um acht Uhr abends setzte sich der Trauerzug vom Schloss zur Kirche in Bewegung. Das Grab der Fürstin befindet sich nicht in der Hauptkirche, sondern im extra angebauten Teil der Kapelle des heiligen Nepomuk. Heute deutet in der Kapelle nichts mehr auf ihr Grab hin. Der Grabstein der Fürstin liegt unter einem roten Teppich verborgen. Unter einem Totenkopf ist ihr Sterbedatum angegeben. Der 5. Mai des Jahres 1741. Der Totenkopf war damals ein üblicher Schmuck, ungewöhnlich ist viel mehr, dass das Grab so schlicht ist ohne Familiennamen, ohne Adelstitel, ohne Wappen.

Wir wissen, dass alle anderen Mitglieder der Familie Schwarzenberg in Wien in der Familiengruft begraben sind. Eleonore wurde in Krumau beigesetzt. Der Grund dafür könnte in einer alten Vampirlegende liegen. Es gab die Furcht vor dem Schmatzen der Toten. Vielleicht hat man versucht, die Familie Schwarzenberg vor einer Toten zu schützen, die schmatzt und andere Tote attackieren könnte. Die Rückkehr der Toten muss für die Bevölkerung ein Schock gewesen sein. Vermutlich ergriffen die Menschen alle damals verbreiteten Maßnahmen gegen Vampire: Sie verbarrikadierten ihre Häuser und versuchten sich durch Knoblauch und Kreuze zu schützen. Die Jagd nach Vampiren begann üblicherweise auf dem Friedhof und hier endete sie auch, wenn die Leute gefunden hatten, wonach sie suchten. Für die Suche nach Vampiren gab es genaue Anleitungen. In dem Grab, vor dem ein Rappe mit einem Jüngling auf dem Rücken scheute, lag angeblich ein Vampir. Wurde auch Eleonores Grabstätte manipuliert? Das Bild einer Geo-Radar-Untersuchung zeigt eine auffällige Unregelmäßigkeit oberhalb der Stelle, an der sich der Sarg befinden müsste. Mit einer Sonde werden menschliche Knochenreste in Friedhofserde sichtbar, die auf das Grab geschüttet wurde. Die Anomalie darunter entpuppt sich als gemauertes Gewölbe, das offenbar mit großem Aufwand eigens in die Gruft eingebaut worden war, um den Zugang zu versperren. Eleonores Sarg wurde regelrecht eingemauert. Offenbar hatten die Zeitgenossen gründlich Vorsorge getroffen, um Eleonore am Verlassen ihres Grabes zu hindern. Über das gemauerte Gewölbe der Gruft wurde eine Schicht mit Friedhofserde gelegt. Darauf kam der tonnenschwere Grabstein, und darüber stand noch die mächtige St. Veits Kirche.
So konnte die Vampirprinzessin nie mehr entkommen. Erst Maria Theresia verbot daraufhin jede Vampirverfolgung und alle Abwehrmaßnahmen wie das Köpfen, Pfählen oder Verbrennen.

Wurde vielleicht auch durch den Tod und die Lebensgeschichte der Eleonore von Schwarzenberg eine der berühmtesten Geschichten der Weltliteratur inspiriert? Sie könnte aufgrund der Ähnlichkeiten die Namensgeberin für Gottfried August Bürgers Ballade Lenore aus dem Jahr 1773 gewesen sein. Um 1890 begann Bram Stoker mit der Arbeit an seinem Roman "Dracula". Im ersten Kapitel des Romans Dracula wird der Vers "Die Toten reiten schnell" aus Bürgers Ballade dem Protagonisten Jonathan Harker von einem Mitreisenden in der Kutsche als Zitat aus „Burger's ‚Lenore‘“ zugeflüstert, als Graf Dracula auftaucht, um Harker abzuholen. Er kannte die Vampirrituale aus Eleonores Zeit. Auch die Geschichte der Vampirprinzessin floss in die Urfassung von Dracula ein, die jedoch 1897 bei der Veröffentlichung fehlte. Ursprünglich wollte Stoker seinen Roman der eigentlich "Draculas Guest" heißen sollte mit einem spektakulären Kapitel beginnen, das eine Vampirattacke beschreibt, die in der Nacht zuvor stattfindet: Auf einer windigen Hochebene unweit von München entdeckt Jonathan Harker das Grabmal einer österreichischen Adeligen, auf dem der Spruch "The dead travel fast" eingraviert ist. Als er sich nähert, zuckt ein Blitz nieder und eine Vampirin erscheint aus dem Grabmal. Harker fällt in Ohnmacht. Als er erwacht, sitzt ein Wolf auf seiner Brust, um sein Blut für die Untote warm zu halten.
Es bleibt sein Geheimnis, weshalb er die weibliche Vampirfigur vor Erscheinen wieder aus dem Manuskript strich. Stoker kannte zweifellos die Berichte der kaiserlichen Untersuchungskommissionen. Er nahm sogar den Ermittler ihrer Majestät, Gerard van Swieten, zum Vorbild für seinen Vampirjäger Abraham van Helsing. Stokers Geschichte ist nicht frei erfunden, sondern Literatur, die auf historischen Fakten beruht. Aber erst sein Roman machte die Vampire wirklich unsterblich.

Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Vampirprinzessin

 


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